Jahresband 1885

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


 

Das Städtchen Schlackenwerth in Böhmen,
einst Sitz lauenburgischer Herzoge.

Eine topographisch-historische Skizze.
 

 

Wer in Karlsbad, sei es als Kurgast, sei es als Tourist, sich aufhält, sollte nicht verabsäumen, dem nahen Städtchen Schlackenwerth einen Besuch abzustatten. Selbiges, Station der k. k. privilegirten Buschtiehrader Eisenbahn, die hier gewaltige Kurven macht, ist von Karlsbad mittelst der Eisenbahn in einer halben Stunde und zu Wagen auf der Chaussee in etwa fünf Viertelstunden zu erreichen und wegen des herrlichen dort befindlichen Schloßparks sehenswerth, für die Norddeutschen aber, speciell die Lauenburger, deshalb, weil alle hier vorhandene Herrlichkeit von dem vorletzten lauenburgischen Herzog aus dem askanischen Hause, Julius Heinrich, herrührt und er sowohl als sein Sohn und Nachfolger Julius Franz, der letzte 1689 verstorbene lauenburgische Herzog, hier residirten und von hier aus ihr Ländchen, das Herzogthum Lauenburg regierten. *)

Schlackenwerth, der Hauptort der gleichnamigen dem Ex-Großherzog von Toscana gehörigen großen Majoratsherrschaft,

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*) Herzog Franz Erdmann, aus der Ehe mit Elisabeth Sophia, des Kurfürsten Johann Georg zu Brandenburg Tochter und des Fürsten Janus Radziwil Wittwe, starb, wenige Monate nachdem er die Regierung angetreten (1666).

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liegt in einer herrlichen, von waldgekrönten hohen Bergketten eingeschlossenen Ebene, die von zwei größeren Bächen, dem Wistriz- und Weseritzbach durchfurcht wird, und verdankt Entstehung und Namen dem Ritter Slako von Riesenburg. Später waren lange Zeit hindurch die Grafen von Schlick mit der Herrschaft belehnt; Graf Joachim Schlick erhielt sie 1557 erblich vom Kaiser. Nach der Schlacht am Weißen Berge ward sie aber vom Fiskus eingezogen und im Jahre 1623 vom Kaiser dem Herzog Julius Heinrich von Lauenburg (oder wie sich die sachsen-lauenburgischen Herzöge schrieben: von Sachsen, Engern und Westfalen) überlassen, und zwar nicht, wie v. Kobbe meint, geschenkt, sondern verkauft. Julius Heinrich ward in seiner Jugend schon katholisch, da er als zur Thronfolge zunächst nicht berufen, das Bisthum Osnabrück zu erlangen erwarten konnte, und bleib es auch, als er zur Regierung gekommen, bis an sein Lebensende. Indessen war er der lutherischen Lehre, als der Religion seines Fürstenthums, durchaus nicht abhold, weshalb er auch seinen ältesten Sohn Franz Erdmann in dieser Lehre erziehen ließ. Julius Heinrich war ein Sohn des Herzogs Franz II. von Lauenburg (geboren 1547, gestorben 1619), aus dessen zweiter Ehe mit Maria von Braunschweig-Wolfenbüttel, *) und succedirte seinem Halbbruder August (aus der Ehe mit Margarethe, Herzogin von Pommern) 1656. Er ist der Wohlthäter Schlackenwerths geworden, denn er erbaute auf den Grundmauern des Schlick’schen Schlosses ein neues Schloß und legte mit einem Aufwand von 60,000 Thalern dahinter jenen großartigen Park an, der noch heute vorhanden

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*) In der Kirche zu Büchen an der Berlin-Hamburger Eisenbahn befindet sich ein Altarbild, welches Franz II. und seine zweite Frau, sowie die von ihr geborenen vierzehn Kinder unter dem Kreuze Christi knieend darstellt und anscheinend von eines Künstlers Hand herrührt. Unter den Kindern ist der mehrerwähnte Julius Heinrich.

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und in einer Gegend, in welcher man nur Nadelholz zu erblicken gewohnt ist, mit seinen uralten herrlichen Laubhölzern die Bewunderung des Besuchers erregt. Der Park war nach dem von Versailles angelegt, mit Wasserleitungen versehen und hatte fünfzig Springbrunnen; er wird von einem Schriftsteller des 18. Jahrhunderts sogar das achte Wunder der Welt genannt! Auf jene jetzt nicht mehr vorhandenen Wasserleitungen und Springbrunnen weisen noch manche Spuren hin; sehr viele Bäume aber rühren noch, wie aus ihrer Höhe und der Dicke ihrer Stämme sich schließen läßt, aus der Zeit der Gründung dieses herrlichen Gartens her; ein reißender Bach durchströmt denselben. Die Stadt sowohl, als auch das Schloß sind wiederholt von verheerenden Feuersbrünsten heimgesucht worden, auch nach und trotz Erbauung der St. Floriani-Kapelle, welche nach der 1691 erfolgten Einäscherung des Schlosses, bei welcher die Stadt verschont blieb, errichtet ward. In Folge dieser Verheerungen sind von dem alten s. g. lauenburgischen Schlosse auch nur noch unbedeutende Ueberreste vorhanden, ein einstöckiges im Verfall begriffenes Gebäude, an das sich Treibhäuser und Gemüsegarten schließen, sowie eine hohe, oben mit Statuen besetzte Mauer, früher Wand des Schlosses, jetzt den Park gegen die Stadt hin abschließend; die Fensteröffnungen sind zugemauert und das Ganze macht eben keinen schönen Eindruck. Zwischen beiden Ueberbleibseln liegt das jetzige Schloß, ein hohes schmuckloses großes Gebäude, das weder durch innere, noch durch äußere Pracht hervorragt und dem jetzigen Besitzer, dem Ex-Großherzog von Toscana bei seiner Anwesenheit in Schlackenwerth als Residenz dient. Der schon erwähnte Park ist durch Wallgraben und Mauer eingefriedigt, und birgt außer einer kleinen Kapelle in der Nähe des Schlosses, in seiner Mitte ein großes, viereckiges, nach oben sich verjüngendes Gebäude mit vier Einfahrten, das jetzt als Restauration dient und

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daher auch die Zuflucht aller Schlackenwerth-Besucher bildet. Wie, namentlich im Innern angebrachte, Embleme (Monogramme, Wappen etc.) erweisen, stammt dieser Bau noch aus der Lauenburger Zeit und scheint von den vielen Feuersbrünsten, die wiederholt Schlackenwerth heimgesucht haben, Dank dem heiligen Florian verschont geblieben zu sein. In Anknüpfung an den Namen sind auf der Diele, die durch vier große Einfahrtsthüren mit der Außenwelt in Verbindung steht, vielfach Schlacken zur Wandverzierung verwendet, wiewohl Schloß und Stadt den Namen, wie angegeben, dem Gründer, Ritter Slako von Riesenburg verdanken; daneben schmücken Freskobilder, freilich vom Zahn der Zeit angenagt, die Wände, und Kieselsteine verschiedener Farbe sind mosaikartig in den Wandputz geschmackvoll eingelassen. Oberhalb der mit Quadern gepflasterten Diele befinden sich vier Eckbalkons, die mit schönen hohen Zimmern in Verbindung stehn, und darüber ist ein großer Saal. Welchen Zwecken dies eigenthümliche Gebäude ursprünglich gedient habe, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich war es dazu bestimmt, die zu den Jagden geladenen Gäste, die im Schlosse kein Unterkommen mehr finden konnten, zu beherbergen. Denn dem edlen Waidwerk wird man in alter Zeit hier eifrig abgelegen haben; das Revier war ein gewaltig großes. Gehörten doch zur Herrschaft Schlackenwerth nicht weniger als 72 Ortschaften. Im Park deutet ferner ein inselartig erhöhter Platz mit einem ausgetrockneten Graben auf die ehemalige Burg hin. Hin und wieder aber taucht aus dem Gebüsch eine verwitterte oder verstümmelte Statue hervor, um an die längst vergangene Zeit zu erinnern, wo hier à la Versailles die Wasserkünste spielten und Springbrunnen das Auge entzückten. Von der Schlackenwerther Welt, besonders der Jugend, wird der Park fleißig benutzt, und Karlsbad hat alle Ursache, Schlackenwerth um den letzteren zu beneiden.

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Ueber dem Eingang zum Park befindet sich im Thorbogen bereits stark verwittert das Wappen der lauenburgischen Herzoge in Sandstein, und zwar zweimal in- und auswendig: der Rautenkranz über fünf schwarzen Balken in goldenem Felde, gekrönter goldener Adler im blauen Felde und drei Schröterhörner im weißen Felde. *) Auf dem Thore wachsen Birken- und andere Sträuche und geben demselben ein etwas ruinenhaftes Aussehen. Ein gleiches Aussehen hat der links vom Eingang an das Thor sich anschließende innere Flügel des alten lauenburgischen Schlosses, ein langer einstöckiger, anscheinend weder bewohnter noch benutzter Bau. Das jetzige Schloß liegt mit der einen Seite im Park, mit der anderen in der Stadt. Ueber dem Eingang von der Stadt aus prangt das Wappen des Ex-Großherzogs von Toscana und ein großer viereckiger Thurm des Schlosses ragt in die Stadt hinein, gewährt aber, da er unten offen, einen Durchgang. Westlich schließt sich an den Park die Bierbrauerei, ein großes, massives Gebäude mit innerem Hofraum, das, wie es scheint und auch versichert wird, schon zu den lauenburgischen Zeiten zur Brauerei gedient hat. Ueberm Eingang weist ein in Stein gehauenes Wappen der lauenburgischen Herzoge auf die Zeit der Gründung dieser Brauerei hin. Das Schlackenwerther Bier soll übrigens von jeher ein beliebtes Getränk gewesen sein; Schlackenwerther Bierwagen sieht man öfters in Karlsbad, wo doch das herrliche Pilsener Bier so sehr prävalirt. – Das ca. 2000 Einwohner zählende Städtchen macht einen recht freundlichen Eindruck. Am Rathhause, einer Zierde des Marktplatzes, erinnert eine Tafel uns daran, daß der jetzt
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*) Später traten noch zwei gekreuzte, mit den Spitzen nach unten gekehrte Schwerter in halb schwarzem, halb goldenem Felde hinzu. Es sind dies die Churschwerter, mit welchen die Herzoge von Sachsen-Lauenburg, da sie die Chur, auf die sie begründeten Anspruch hatten, nicht erlangen konnten, sich begnügen mußten.


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regierende Kaiser Franz Joseph Schlackenwerth einmal mit einem Besuch beehrt hat. Auf dem Markt steht ferner eine Denksäule mit einem Muttergottesbilde gekrönt, welche der Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg nach der daran befindlichen Inschrift zum Dank für das Aufhören der Pest gestiftet. Nahe am Markt liegt die im Innern herrlich ausgestattete katholische Kirche und unmittelbar an der Stadt liegt das ehemalige Piaristenkloster, *) gestiftet von dem mehrgenannten Herzog Julius Heinrich und seiner dritten Gemahlin Anna Magdalena, Wilhelm Poppolyn von Lobkowitz’ Tochter und Wittwe des Grafen Zbinkoni von Colovrat, die ihm sechs Kinder gebar, darunter 16. September 1641 Julius Franz, den letzten lauenburgischen Herzog askanischen Stammes. Das herrliche Kloster, vorzüglich erhalten, steht jetzt leer, da die Piaristen vor mehreren Jahren nach Prag übergesiedelt sind, jedoch werden noch einige Räume zu Schulzwecken benutzt, denn das Gebäude nebst Allem, was dazu gehört, ist der Stadt überwiesen. Das Kloster besitzt eine herrliche Bibliothek, die u. A. als Unikum den Manuscript-Pergamentkodex von 1353, welcher die Legende der hl. Hedwig, Herzogin von Schlesien, behandelt, und vier Homilien des hl. Bernhard enthält. Hier befinden sich auch etliche Oelgemälde aus der lauenburgischen Zeit: zunächst Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg, als Leiche auf dem Paradebett liegend, in Lebensgröße, ihm gegenüber gleichfalls in Lebensgröße als Leiche auf dem Paradebett seine Gemahlin, daneben die Bilder von

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*) Piaristen, Väter der frommen Schulen (piarum Scholarum), heißen die Glieder eines geistlichen Ordens, der außer den drei gewöhnlichen Mönchsgelübden noch ein viertes befolgt: den unentgeltlichen Unterricht der Jugend. Dieser Orden ward im Anfang des 17. Jahrhunderts von Jos. Casalanza in Rom gestiftet und ist gewissermaßen ein Konkurrent des Jesuitenordens, ohne jedoch so herrschsüchtig zu sein und sich mit Politik zu befassen.

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zwei jung verstorbenen Kindern, umgeben von himmelanweisenden Engeln. Dem Herzog zur Seite befinden sich die Bilder des verstorbenen Ex-Großherzogs von Toscana und seiner Gemahlin. Ferner aus älterer Zeit noch das Bild einer Dame, mit der Umschrift: nurus fundatoris (Schwiegertochter des Stifters), sowie ein anderes mit der Unterschrift neptis fundatoris (Enkelin des Stifters), daneben das lebenslustig in die Welt blickende Bild des letzten lauenburgischen Herzogs Julius Franz (filius fundatoris), dann noch das des Herzogs Julius Heinrich in Generalsuniform u. a. m. Die Bibliothek ist sehr reichhaltig und enthält viele ältere Werke. Zu vielen Büchern sind alte beschriebene Pergamente (Manuskripte) und uralte Notenblätter als Einband benutzt, so daß diese Bücher schon ihres Aeußeren wegen interessant sind. Ein Sachverständiger würde dort gewiß ungeahnte Schätze entdecken, denn alle Wissenschaften scheinen hier vertreten zu sein. Das Klostergebäude macht keinen monumentalen Eindruck, weist im Innern aber herrliche Kreuzgänge auf, sowie einen schönen Klosterhof und einen vorzüglichen Garten. Unmittelbar daran befindet sich die Klosterkirche mit der wunderthätigen Muttergottesstatue über dem Hauptaltar (Maria-Treu), wohin die Gläubigen aus der ganzen Umgegend ihre Zuflucht nehmen, wie Weymann in seinem Führer durch das böhmische Erzgebirge versichert. Dies Bild soll von der Stifterin, Herzogin Anna Magdalena Popelia von Sachsen-Lauenburg aus dem damals weltlichen Stifte der lutherischen Fräuleins zu Ebsdorf in Niedersachsen 1654 mitgebracht sein. *) Gottesdienst wird, abgesehen von einigen Messen,

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*) Ebstorf, zwischen Bodenteich, Medingen und Winsen a. d. Luhe in der Provinz Hannover, ist noch jetzt Sitz eines weltlichen adeligen Fräuleinstifts, hat aber den lauenburgischen Herzogen niemals gehört. Sollte nicht die Schlackenwerther Muttergottes mit der identisch sein, die in der Kirche zu Büchen gewesen und die Einführung der Reformation

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die dort täglich für Verstorbene, namentlich den Stifter und die Stifterin, gelesen werden, in der Kirche nicht mehr gehalten. Unmittelbar daran steht das Maussoleum, woselbst die irdischen Ueberreste des Herzogs Julius Heinrich und seiner Gemahlin und einiger früh verstorbenen Kinder beigesetzt worden. Dasselbe befindet sich in einem ganz desolaten Zustande; ursprünglich architektonisch schön angelegt, ist es jetzt völlig im Verfallen, da die Feuchtigkeit des Erdreichs, in das es hineingebaut worden, die Wände gänzlich zu zerstören droht. Es scheint auch nichts zu seiner Erhaltung unternommen zu werden. Die Zinnsärge sind gestohlen und eingeschmolzen, und einige lose in einem offenen hözernen Sarge liegende Knochen und Schädel sind Alles, was von den dort beigesetzten fürstlichen Leichnamen übrig ist. Wahrlich, ein erschütternder Anblick! – Dicht dabei steht eine ebenfalls verfallende Kapelle, ursprünglich anscheinend ein Kunstwerk ersten Ranges und nach der Inschrift von der Tochter des letzten Herzogs, Julius Franz, als Votivkapelle zu Ehren ihres Gemahls gestiftet, der einen Sieg gegen die Türken erfochten hatte. Daneben steht endlich die schon erwähnte, dem hl. Florianus gewidmete Kapelle, die, übrigens ganz schmucklos, jetzt als Magazin dient, da die Schlackenwerther von einer tüchtigen Feuerwehr, deren sie sich erfreuen, sich wohl eine wirksamere Hülfe versprechen, als von St. Florian. Dem Ort fehlt natürlich auch nicht der böhmische Nationalheilige, der hl. Johann von Nepomuk, der Landespatron von Böhmen, der bekanntlich auf Befehl Wenzel’s IV. (1383, nach anderen 1393) von der Karlsbrücke zu Prag in den Fluß geworfen
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*) hier zu Lande so sehr erschwert hat? Von ihr behauptet nämlich die Tradition, daß sie von einer frommen katholischen Gemahlin eines der letzten Herzoge aus- und nach Böhmen geführt worden sei. Der Schrein, der dies Bild beherbergte, ist noch in der Büchener Kirche vorhanden und eine höchst interessante Erinnerung an die katholische Zeit.

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wurde. – Die Bewohner der Stadt und ihrer Umgebung sind natürlich alle katholisch, jedoch hat es auch für Schlackenwerth eine protestantische Zeit gegeben. „Wie aus den alten Matrikeln ersichtlich ist,“ schreibt P. Wenzl Sommer, Stadtpfarrer, in seiner kurzen Geschichte der Stadt Schlackenwerth (1866), „war Schlackenwerth, sowie die ganze Umgegend vom Jahre 1579 bis zum Jahre 1630 dem Protestantismus ergeben.“ Von Schlackenwerth gilt wohl dasselbe, was uns Hlawacek in seinem schätzbaren Buch (Karlsbad, 10. Auflage, 1872) über Karlsbad in dieser Hinsicht berichtet. Karlsbad wurde 1554 lutherisch, nachdem schon vorher der Protestantismus vereinzelt dort Eingang gefunden (ein Pastor Misel soll 1535 einen Joh. Rocker als erstes protestantisches Kind getauft haben). Im Jahre 1628 wurden die Karlsbader mit Gewalt wieder katholisch gemacht. Im Verlauf dieser protestantischen Zeit, welche durch volle 74 Jahre gedauert, werden 13 lutherische Seelsorger angeführt und von ihnen datirten die ersten Kirchenbücher. Der letzte von ihnen, ein Pastor Rebhuhn, mußte auf Befehl Kaiser Ferdinand’s II. am 24. August 1624 mit allen jenen Bürgern aus Karlsbad fortziehen, welche nicht zur katholischen Lehre zurückkehren wollten; sie durften von ihren Sachen nur so viel mitnehmen, als Jeder auf dem Rücken tragen konnte; sie zogen meistens nach Johann Georgenstadt (Hlawacek, Karlsbad etc. S. 35 ff.). – Schloß, Stadt und Herrschaft Schlackenwerth fielen nach dem Ableben des letzten lauenburgischen Herzogs Julius Franz seiner an den Markgrafen Ludwig Wilhelm von Baden-Baden verheiratheten Tochter Franziska Sibylla zu und blieben bis 1782 bei dem Hause Baden-Baden. Im Anfange dieses Jahrhunderts kam Schlackenwerth an das Haus Toskana, dem es noch jetzt gehört. Als der Großherzog Leopold II. von Toscana nach dem verhängnißvollen Jahre 1859 mit seiner Familie dauernd in Schlackenwerth Aufenthalt

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genommen, ward er im Jahr 1861 einstimmig zum Bürgermeister der Stadt erwählt, und er hat dieses Amt nicht nur angenommen, sondern auch gewissenhaft und pflichtgetreu verwaltet. Im Jahre 1864 ward er nochmals zu diesem Amte erwählt. In dieses Jahr (23. Juni 1864) fällt auch der Besuch des kaisers Franz Joseph, zu dessen Andenken der damalige Bürgermeister die oben erwähnte Tafel am Rathhause hat anbringen lassen. In der Klosterbibliothek befindet sich, wie bereits angeführt, Ein Oelgemälde dieses bedeutenden Mannes und Fürsten und seiner Gemahlin. Sein Andenken wird gewiß im Städtchen, das sich rühmen darf, zweimal ein gekröntes Haupt zum Bürgermeister gehabt zu haben, fortleben. Er starb am 29. Januar 1870, fast 73 Jahre alt, nachdem er dem Throne am 21. Juli 1859 zu Gunsten seines ältesten Sohnes, des Großherzogs Ferdinand IV., entsagt hatte.


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