Jahresband 1885

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


Die Inschriftsteine in der Sacristei der Möllner Kirche.

Mitgetheilt von W. DÜHRSEN, Amtsgerichtsrath in Mölln.

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In der Sacristei der St. Nicolai-Kirche zu Mölln befinden sich rechts vom Eingange drei Steinplatten eingemauert, die wegen der Inschriften, die sie enthalten, von Interesse sind. Die beiden oberen Steinplatten beurkunden in ihren Inschriften Schenkungen an die Kirche und an milde Stiftungen, die dritte – unterste – aber stammt vom Kloster Marienwold und ist bei der Zerstörung desselben von dort hierhergeschafft, ohne daß man vielleicht den Inhalt der Inschrift kennen zu lernen sich bemüht hat, denn andernfalls hätte man diesen Stein wohl schwerlich in der Sacristei untergebracht, wo er eigentlich nicht an seinem Platze ist und zu der mißverständlichen Auffassung Anlaß gegeben hat, daß seine Inschrift sich auf die Stadt Mölln oder die Kirche beziehe.

Die obere Steinplatte zeigt folgende Inschrift:

Anno 1638 13. December starb H. Marcus
Burmester Rathsverwandter allhie zu Müllen
und hat dieser Kirchen 600 Mark vermachet,
davon sie jährlich die Zinse heben, den Haupt-
stuhl aber nimmer angreifen sol.

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Das darunter befindliche Zeichen ist die Hausmarke der Familie des Stifters, die sich auch auf älteren Kirchenstühlen u. s. w. findet und in früherer Zeit auch statt der Anfangsbuchstaben des Namens in die Wäsche gestickt ward.

In der zweiten – mittleren – Inschrift haben wir „Stamers Testament“ vor uns, den Möllnern wohlbekannt, da auf vielen Grundstücken hiesiger Stadt Theile der von Stamer gestifteten Kapitalien als unablösliche „Grundlasten“ ruhen und der Kirche bezw. den milden Stiftungen mit 5 % Rente verzinst werden. – die Inschrift lautet:

Chr. Jochi. Stamer Bekenne dat ick in mine leste will geven CCCC Marck Lubsk dusser Karcken to Mollen mit miner Frouwen Wobbeken Stamers Weten und Willen van vnse wol gewunnen Gudere, Houptsol schal ewich bi der Karcken bliven sunder (aber) de Rente scholen se tho erer Nothtroft brucken und in den Houpstol ewich nicht tho tastende; und den ideren Prediger C Gulden der in te Scholen se brucken und in den Houpstol in ewig nicht to tastende; und CC Marck darmede de Armen Kinder to der Schole to holdende und in den Houpstol Ewig nicht to tastende; und den Armen in den hiligen Geist C Marck, von der Rente dar scholen se de Armen des iars Fvring (Feuerung) von kopen und ewig in den Houpstol nicht ot tastende; und in dat Sekenhus (Siechenhaus) C Marck van de Rente scholen se den Armen Fvring kopen und in den Houpstol ewig nicht to tastende. Dvsser Amther de hir aver regeret de scholen dat Geld alles to rechte bringen alse he vor Gott vorantwerden will; noch CC Marck hebbe ick den Armen to Mollen geben

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dar se want vor kopen vor de Rente und in den Houpstol ewig nicht to tastende, und vnse beide Borgermeister willen dar to sen (sehen) dat de Armen dar recht van schut (geschieht) alse se vor Got vorantwerden willen.
1584.


Die dritte, marienwolder Steininschrift (die unterste Platte) lautet (in gothischer Minuskelschrift):

Ao. 1413 do wart desse stede gekofft vnde begunt to buwen vnde is darna ghewiget (geweiht) in deme 58. iare vnde ist gebuwet van deme erbaren rade vnde medeborgen der stat lubeck vnde anderen stede darumme belegen. biddet God vor se.

Diese Inschrift ist offenbar die interessanteste, nicht nur wegen ihres hohen Alters, sondern auch um ihres Inhalts willen, sie bezieht sich auf die Erbauung des Klosters Marienwold. Dasselbe ist aber ursprünglich in Bälau gewesen und zwar im Jahre 1413 dort gegründet. Die Stelle, wo es dort gestanden, läßt sich noch genau nachweisen. Erst nach 15 Jahren, Ao. 1428 ist es nach Petzcke, also dahin verlegt, wo es bis zu seiner Zerstörung gestanden.

Den Kirchhof daselbst und die Kirche sammt den vorzüglichsten Altären consecrirte Bischof Johann Preen (am Achtetage nach Maria-Heimsuchung) Ao. 1458 und bezieht sich darauf der Passus „vnde is darna ghewiget in deme 58. iare“.

Wie man hiernach sieht, stimmt die Inschrift mit den Thatsachen nicht völlig überein, man müßte den annehmen, daß bereits 1413 mit dem Bau des Klosters in Petzcke begonnen und derselbe 15 Jahre in Anspruch genommen, während welcher Zeit die Ordensmitglieder in dem dem Kloster ebenfalls gehörigen Bälau sich aufgehalten, und daß das Kloster im

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Jahre 1428, nachdem es fertig gestellt worden, bezogen sei. Dies ist wohl umsomehr anzunehmen, als um dieselbe Zeit, zu welcher der Birgittenorden Bälau erwarb, er auch Petzcke kaufte und wohl von vornherein er diesen Ort für die Klostergebäude in Aussicht nahm und mit dem Bau derselben, der voraussichtlich etliche Jahre in Anspruch nehmen mußte, sofort begann. Bälau, den Schacks gehörig und von ihnen an das Kloster verkauft, hatte ohne Zweifel eine Burg, in welcher der Orden wahrscheinlich sich vorläufig provisorisch eingerichtet und die 15 Jahre bis zur Fertigstellung des Klosters zugebracht hat. Petzcke, dessen Name nur noch in dem Grenzbach zwischen Marienwold und Feldmark Mölln fortlebt, erkaufte das Kloster von den von Crummeß, die dort auch eine Burg gehabt haben, deren Ueberreste wir in dem sog. „Spitzbubenberg“ vor uns haben. Jedoch ist zu bemerken, daß das Kloster auch so lange es in Bälau war den Namen Marienwold führte, wie wir aus einer von Deecke in seiner Abhandlung über Marienwold (vaterl. Archiv I p. 357.) mitgetheilten, im Hebungsbuch des Klosters befindlichen Note ersehen: „thor below a. 1413 hebben vnsre brodere vnde sustere van Reuele uth liefflant ersten de wonynge beprepen vnde hebben dar Gade gedenet XV iare, beth dat hijr to petzke is eyn closter in mer bequemicheit gade to denende gebouwet, vnde hefft altydt beyde thor below vnde hijr to petzeke de namen Marienwold.“ *) Auf jenen Inschriftstein beziehen sich auch die nachstehend mitgetheilten, einer in der Königl. öffentlichen Bibliothek zu Hannover befindlichen Handschrift entnommenen Zeugenaussagen. Bekanntlich wurde das Kloster
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*) Die Jungfrau Maria scheint übrigens, wahrscheinlich wegen des in den Birgittenklöstern vorzugsweise betriebenen Marienkultus, denselben meistens den Namen gegeben zu haben, wenigstens in Deutschland; so finden wir ein Birgittenordenskloster Mariencron zu Stralsund,

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Marienwold bei der s. g. holsteinischen Fehde 1534 zerstört, die Mönche und Nonnen flüchteten nach Lübeck, und etliche Jahre später zog Herzog Franz I. von Lauenburg die Klostergüter ein. Dies hatte einen langwierigen Proceß zwischen Lübeck und Sachsen-Lauenburg bei dem Reichskammergericht zur Folge, der natürlich niemals entschieden ist; und in diesem Proceß sind die nachstehenden Zeugenaussagen erwachsen.

Ao. 1576 d. 1. Februarii des Nachmittags umb 1. Schlag haben die Abgesandten des Rahts zu Lübeck Unsere (Eines E. Rahts der Stadt Lüneburg als Kayserl. in cau. Sachsen-Lauenburg c Lübeck in pcto. fractae pacis et mandatorum de relaxando et restituendo das Kloster Marienwolde belangend verordneten commissarii) Subdelegirten zu Mölln in die Kirche, in die Gerbekammer, *) geführet und Ihnen daselbst einen alten Stein oder Monument gezeigt und seyn in demselben Steine folgende Worte gehauwen befunden:

M.CCCC.XIII. do wartt desse Stede gekofft, vnd begint to buwen. vnd darna ghewyet, in deme lVIII Jar. vnd ist ghebuwet, von dem erliken Rade vnd ander Stede. darummer beleghen. Biddet Gott vor Se.

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Marienforst im Cölnischen, Marienbaum im Cleveschen, Maria-Altomünster in Baiern, Mariameingen im Oettingischen u. a. m., dazu Mariendal bei Reval, wovon unser Marienwold eine Filia, und Marienbo auf Laaland (Dänemark). Vergl. v. Nettelbla, vorläufige kurzgefaßte Nachricht von einigen Klöstern der H. schwedischen Birgitta außerhalb Schweden, besonders in Teutschland. Frankfrut u. Ulm 1764.
*) Die Gerbekammer ist die Sakristei. Wie diese zu dem Namen Gerbekammer gelangt ist, läßt sich nicht mehr mit Sicherheit feststellen. Vielleicht hat das sehr angesehene Schusteramt sich in alter Zeit einmal um die Sakristei, deren Ausschmückung u. s. w. Verdienste oder das Recht erworben, daselbst seine Bahren, Bahrtücher u.s.w. aufbewahren zu dürfen.

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Diese Copia stimbt über ein mit einer copey geschrieben in einem alten Buche in folio, mit gelem Pergament überzogen, Uff deßen ersten Blade stehet geschrieben: Copie literarum super Belowen et Bredenfelde. Darnach Wy Erick van der Gnade Gades etc. Und seind in demselben Buch erst zwo Bletter Pergamen befunden, darauff etzlicher alter Brieffe Copey geschrieben. Mitten aber sindt fünff und fünffzig Blat Pappier, darunter teils Bletter unbeschrieben, deils aber beschrieben mit allerhandt alter Brieffe Copeyen, darunter auch kegenwertige gleichlautende copia, zu Ende aber seindt wiederumb zehen Blat Pergamen mit allerhand Copeyen alter Brieffe beschrieben befunden worden; Und ist von der Herren Producenten Anwalde Bericht und Anzeige geschehen, daß gemeldt Buch des Convents zu Marienwalde Copei-Buch und jeder Zeit pro autentico gehalten worden sey.

Sagt Zeuge Heinrich Stubbe (von Below) daß Er den Stein, so jetzo in der Gerbekammer zu Mollen liege, offt und vielmahlen in der Klosterkirchen zu Marienwalt gesehen und sey derselbige Stein in dem rechten Pfeiler der Klosterkirchen, als man in die Thüre kommende, ad dextram gemauert gewesen.
 


d. 5. Februarii
 

Sagt Zeuge Hanß Francke, daß Er denselben Stein ehemals in der Kirche zu Marienwalde in dem ersten Pfeiler, wenn man in die Kirche kommt, vff der rechten Hand gemauret gewesen, und berichtet dabeneben, daß er wol gehöret, daß denselben Stein einer Hanß Schromer genannt, welcher, zu der Zeit, der von Lübeck verwandter Kriegsmann gewesen, aus der Kirchen zu Marienwalde genommen, und in die Kirche zu Möllen gebracht haben sol.

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Und haben vnsere Subdelegirten die Abgesandten von Lübeck berichtet, daß gedachter Stein, in der Kirchen zu Marienwalde, ehe vnd zuvor das Kloster abgebrandt, solle gestanden, vnd nachdem das Kloster abgebrandt, in die Kirche zu Möllen gebracht worden seyn, mit der Bitte, die angegebenen Zeugen darauff zu beeydigen und zu verhören.


 




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