Jahresband 1885

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 



Die
DEVISEN, WAHL- UND SINNSPRÜCHE
der
HERZÖGE VON LAUENBURG ASKANISCHEN STAMMES.

Zusammengestellt von Max Schmidt.

(Fortsetzung)
 

Im ersten Hefte dieser Zeitschrift habe ich bereits eine Reihe von Sprüchen der alten Herzogsfamilie veröffentlicht; inzwischen hat sich die Sammlung vermehrt, und ich lasse nun zur Vervollständigung folgen, was sich nachträglich gefunden hat, indem ich noch bemerke, daß die meisten dieser Sprüche dem Buche des Herrn Prof. Dr. Löbe in Altenburg: „Die Wahlsprüche, Devisen und Sinnsprüche deutscher Fürstengeschlechter. Leipzig 1883“, und zwar unter freundlicher Gestattung seitens des Hern Verfassers, entnommen wurden.
 

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SIBYLLE
Gemahlin Franz I., geb. 1515,
1592, Tochter Heinrich des Frommen
zu Sachsen.

Ruff mych ann Inn der Zeytt der nott so wyl Ich dych
errettenn so solst du mych preysszen
(Psalm 50,15)

1591 im Stammbuch des Herzogs Franz zu
Braunschweig.
 

1885/2 - (129)


1885/2 - 130
 


HEINRICH
Erzbischof von Bremen, Sohn Franz I., geb. 1548,
1585.

G. I. A. M. A. V. E.
(Gott ist allein mein Anfang und Ende.)

Dabei die latein. Uebersetzung: Deus mihi principium
et finis.


1580 im Stammbuch des Franz von Domsdorf *),
Johanniter Wochenblatt 1872, 76.




MORITZ
Sohn Franz I.,
1616

N. G. D. G.
(ist vielleicht richtiger zu lesen: N. G. D. E., Nur Gott die Ehre)

1592 im Stammbuch des Herzogs Franz zu Braunschweig
und 1493 in dem des V. von Watzdorf.




FRIEDRICH
Sohn Franz I., Chorbischof zu Cöln,
1586.

Aux armes vaillant
En amour constant

(In den Waffen tapfer, in der Liebe beständig.)
Stammbuchinschrift. Johanniter Wochenblatt 1873, 12.




FRANZ II.
geb. 1547,
1619.

Misericordiae tuae multae Domine

(Deine Barmherzigkeit, o Herr, ist groß.) Psalm 119, 156.

Reusner, Symbola 113.

 

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*) Dieses Stammbuch befand sich früher im Besitze meines verstorbenen Freundes, des Senior, Archivrath Dr. Masch in Demern, jetzt besitzt es der Herr Rechnungsrath Fr. Warnecke in Berlin.

1885/2 - 130


1885/2 - 131
 

SIDONIE KATHARINE
Tochter Franz I.,
1594 (vermählt: 1. mit Wenzel von Teschen,
2. mit Emmerich Forgatsch von Trentschin.)

alle Dinge vorgenl(ich)
Gottes wort eweig.

1591 im Stammbuch des Herzogs Franz zu Braunschweig.




MARIE
Tochter Franz II., geb. 1576,
1625.

H. R. M. D. D. G.
(Herr, regiere mich durch deine Gnade)
zum Nachfolgenden:

Christus ist mein leben sterben ist mein gewinn
ich lebe ohder sterbe so wis ich das ich des Herrn bin.


1602 im Stammbuch des V. von Watzdorf.




AUGUSTUS
geb. 1577,
1656.

D. P. V.
Ita vivito ut vivus sis landabilis, mortuus autem
beatus indiceris.

(Lebe so, daß du im Leben gelobt werden kannst, gestorben aber
selig gepriesen werdest.)

1592 im Stammbuch des Herzogs Franz zu Braunschweig.

G. I. M. T.
(Gott ist mein Trost.)
Stammbuchinschrift 1593.




Elisabeth Sophie
1. Gemahlin des Herzogs Augustus, geb. 1599,
1627.

Spes mea Christus
(Meine Hoffnung ist Christus.)

Stammbuchinschrift.

 

1885/2 - 131


1885/2 - 132

 

KATHARINE
2. Gemahlin des Herzogs Augustus, geb. 1582,
1644.

C. B. M. E. W.

(Christi Blut mein Erbe wurd)
Sanguis Christi hereditas mea

1600 im Stammbuch des Herzogs Franz zu Braunschweig
und in dem des V. von Watzdorf.

M. H. Z. G.
(Meine Hoffnung zu Gott)

Hilff mir Gott ihn meiner Jugent fein,
Dein Wordt zu lernen, es bewahren rein,
Zu Ehr undt thugent hilff mir allezeit
nach diesem leben die Ewige freudt.

Stammbuchinschrift in Braunschweig 1594.




PHILIPP
Sohn Franz II., geb. 1578,
1605.

N. M. C. T.

(non mihi (al. me) crux terret)
Regis ad exemplum totus componitur orbis
(Nach dem Vorbild des Königs richtet sich das ganze Land. Claudianus
Panegyris de quarto consulatu Honorii, vers. 300)

1592 im Stammbuch des Herzogs Franz zu Braunschweig.




FRANZ JULIUS
Sohn Franz II., geb. 1584,
1634.

W : S: M : V :

(Was schadet mir Unglück?)

Trauw, Schau, wem.

M : H : Z : G : A :

(Meine Hoffnung zu Gott allein)

1603 im Stammbuch des Christoph v. Hermsdorf.
 

1885/2 - 132


1885/2 - 133

 


Spe melioris alor
(Von der Hoffnung auf Besseres werde ich getragen)

im Stammbuch des Markgrafen Ernst zu Brandenburg
1628.




JULIUS HEINRICH
Sohn Franz II., geb. 1586,
1665.

Omnia cum tempore
Tout avec le temps

(Alles mit der Zeit)

1622 im Stammbuch des Superintendenten Röber in
Wittenberg


Arte et Marte

(Mit Kunst und Gewalt)

Stammbuchinschrift, Johanniter Wochenblatt 1863, 106.


Omne solum forti patria est

(Jedes Land ist des Beherzten Vaterland) Ovid fasti I 493.

1615 im Stammbuch der Landgräfin Eleonore zu Hessen.


Arte et Marte
Tout pour la belle, laquelle j’aime le plus

(Alles für die Schöne, die ich am meisten liebe)

im Stammbuch des Markgrafen Ernst zu Brandenburg
1628


Arte et Marte
Ich hoffe sonder Zweifel
Tout pour Elle

im Stammbuch des Matthias von Handel.





ELISABETH SOPHIE

2. Gemahlin des Herzogs Jul. Heinrich, geb. 1589,
1629.

Alles nach Gottes Willen

1605 im Stammbuch des Herzogs Joh. Ernst zu
Sachsen-Weimar.
 

1885/2 - 133


1885/2 - 134
 

ERNST LUDWIG
Sohn Franz II., geb. 1587,
1620.

Virtute et armis
(Durch Tugend und Waffen)

1615 im Stammbuch der Landgräfin Eleonore zu Hessen.





FRANZ KARL

Sohn Franz II., geb. 1594,
1669.

Mit Gott virdt ess geschehen

im Stammbuch der fruchtbringenden Gesellschaft *), als
deren Mitglied er „der Schönste“ hieß; er hatte zum
Emblem die doppelte Granatblüte mit der Devise:
„In hoher voller Blüte“.





AGNES

1. Gemahlin des Herzogs Franz Karl, Tochter des Kurfürsten Johann
Georg zu Brandenburg, geb. 1584,
1629; war erst vermählt mit
Philipp Julius Herzog v. Pommern.

Herr regiere mich durch deinen heiligen Geist

1600 im Stammbuch der Landgräfin Eleonore zu Hessen.


Herr führe mich auff deinem Wege
Und leite mich auff deinem Stege


1596 im Stammbuch des Herzogs Franz zu Braunschweig.
 

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*) Die fruchtbringende Gesellschaft, nach ihrem Sinnbilde einem Palmenbaum, auch der Palmenorden genannt, war eine Vereinigung von Fürsten und vornehmen Personen des 17. Jahrh., welche die Reinigung und Verbesserung der deutschen Sprache bezweckte; sie wurde auf Anregung des weimarschen Geheimen Raths und Hofmarschalls Kaspar v. Teutleben unter besonderer Theilnahme des Fürsten Ludwig von Anhalt am 24. August 1619 auf dem Schlosse zu Weimar von den regierenden Herzögen Johann Ernst, Friedrich und Wilhelm von Weimar gegründet. Jedes Mitglied erhielt einen bedeutungsvoll sein sollenden mitunter aber höchst lächerlichen Namen, außerdem ein Sinnbild und einen Wahlspruch.

1885/2 - 134


1885/2 - 135

Gottes Wort mein Hort
Stammbuchinschrift, Johanniter Wochenblatt 1863, 106.




KATHARINA
2. Gemahlin Franz Karls, Tochter des Kurfürsten Joh. Sigismund zu
Brandenburg, geb. 1602,
1649.

Gottes furcht meine höchste Burg
Löbe, Wahlsprüche etc. deutscher Fürstengeschlechter.

De Dieu la protection est ma consolation

(Gottes Schutz ist mein Trost)

im Stammbuch des Markgrafen Ernst zu Brandenburg
1620.




RUDOLF MAXIMILIAM
Sohn Franz II., geb. 1595,
1647.
Vive la guerra et l’amor
im Stammbuch des Grafen Anton Heinrich zu Oldenburg
1622.

Quand je pourrais et Dieu voudrait ce que je pense
m’arrivera

(Wenn ich könnte und Gott wollte, würde mir begegnen was ich wünsche.)





FRANZ ALBRECHT
Sohn Franz II., geb. 1598,
1642.

H. A. T. S.
(Homo audax triumphat semper?)
im Stammbuch des Markgrafen Ernst zu Brandenburg
1627.

Frisch gewagedt ist halb gewonnen
1631 im Stammbuch der fruchtbringenden Gesellschaft;
sein Gesellschaftsname war „der Weise“, sein Emblem
Narcissen mit der Devise: „Trotz den Rosen“.
 

1885/2 - 135


1885/2 - 136

FRANZ HEINRICH
Sohn Franz II., geb. 1604,
1658.
N. G. V. E. S. M. B.
(Nach Gott und Ehren steht mein Begehren)
Stammbuchinschrift von 1636.




FRANZ ERDMANN
Sohn Julius Heinrichs, geb. 1629,
1666.

Nihil tam firmum est cui periculum non sit etiam
ab invalido

(Nichts ist so sicher, dem nicht auch von einem Schwachen Gefahr droht.)

1654 im Stammbuch des Herzogs Adolf Friedrich von
Mecklenburg.


Nihil potest placere quod non et decet
(Nichts kann gefallen, was sich nicht auch wohl geziemet)
im Stammbuch des Matthias von Handel.


Alles mitt der Zeit
im Stammbuch der fruchtbringenden Gesellschaft, als deren
Mitglied er „der Fortwuchernde“ hieß; als Emblem führte
er die Hyacinte mit dem Wort: „Riecht weit und lieblich“.





JULIUS FRANZ
Sohn Julius Heinrichs, geb. 1640,
1689.

Ehrlich von geblüt
Redtlich von gemüt
Von hertzen getrew
Führ ich mein Livrei.

1652 im Stammbuch des Matthias Merian.

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