Jahresband 1885

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


 

Flüchtiger Blick in die Natur des Südrandes des
Herzogthums Lauenburg

(Von Rector a. D. W. Claudius in Lauenburg;
mit Genehmigung des Verfassers und des Vorstandes
des naturwissenschaftlichen Vereins für das Fürstenthum Lüneburg
aus dessen Jahresheften II. 1866 entnommen).

[Fortsetzung und Schluß von Heft 1, Seite 39.]
 

So sind wir unvermerkt aus der starren Gesteinwelt in die bunte Mannigfaltigkeit des organischen Lebens vorgedrungen, und wollen uns auch hier ein Wenig umsehen. Daß übrigens hier das Bild noch weit mehr Lücken lassen muß, versteht sich von selbst. Um einigermaßen planmäßig zu verfahren, wollen wir zuerst die Pflanzen und darnach die Thiere betrachten. Da möchte es vielleicht ein gewisses Interesse haben, die Pflanzen, die zwischen dem Vier und der großen Häse unmittelbar an der Elbe wachsen, mit denen des Stecknitzthales zu vergleichen, weil sich jeder Leser daraus selbst ein Urtheil darüber bilden kann, ob es hiernach wahrscheinlich sei, daß die Elbe vormals durch das Stecknitzthal in die Ostsee floß. Ich werde die Elbpflanzen nach der Reihenfolge der Familien aufführen, und diejenigen unter ihnen, welche auch im Stecknitzthale vorkommen, durch einen vorgesetzten Stern bezeichnen. Ferner sei bemerkt: hat eine Elbpflanze keinen Buchstaben, so habe ich sie nur auf dem nördlichen Ufer gefunden; hat sie ein

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h, so wächst sie auf beiden Ufern; endlich hat sie ein H, so fehlt sie am nördlichen Ufer.

 

Elbpflanzen.

 
1. * Thalictrum flavum L. 43. * Helichrysum arenarium DC.
2. T. minus L. s. 44. h * Artemisia campestris L.
3. Pulsatilla pratensis Mill. 45. H Senecio paludosus L. s.
4. Nasturtium, anceps DC. 46. Echinops sphaerocephalus L. (?)
5. Alyssum calycinum L. 47. h Chondrilla juncea L.
6. h Cochlearia Armoracia L. 48. Carex teretiuscula Good.
7. H * Berteora incana DC. 49. H C. riparia Curt.
8. Coronopus Ruellii All. 50. H C. filiformis L.
9. * Drosera anglica L. 51. h * Calamagrostis epigeios Rth.
10. * Drosera intermedia Hayne. 52. * Poa compressa L.
11. * Tunica prolifera A. Br. 53. Koeleria glauca DC.
12. Dianthus Carthusianorum L. 54. Pinus silvestris L.
13. * Silene inflata Sm. s. 55. Lycopodium annotinum L.
14. S. nutans L. 56. * Blechnum Spicant Rth.
15. H Malachium aquaticum Fr. 57. h Xanthium strumarium L.
16. Viscaria vulgaris Röhling. 58. X. italicum Moretti s.
17. Sagina nodosa Bartl. 59. H * Datura Stramonium L.
18. h Ononis repens L. 60. Campanula persicifolia L. s.
19. h Melilotus alba Desr. 61. H * Limnanthemum nymphoides Lk.
20. Trifolium fragiferum L. 62. Gentiana camprestris L.
21. T. agrarium L. 63. h * Verbascum thapsiforme Schrad.
22. H T. incarnatum L. (?) 64. h Gratiola officinalis L.
23. Ervum cassubicum Peterm. 65. Antirrhinum Orontium L.
24. Lathyrus silvestris L. 66. Veronica triphyllos L.
25. H * L. paluster L. 67. h * V. longifolia L.
26. Potentilla supina L. s. 68. h * Limosella aquatica L.
27. h * Oenothera biennis L. 69. Origanum vulgare L.
28. h * O. muricata L. 70. H Chaiturus Marrubiastrum Rchb.
29. h * Sedum reflexum L. 71. h * Scutellaria hastifolia L.
30. h * Eryngium campestre L. 72. Teucrium Scorodonia L.
31. Peucedanum Oreoselinum ­Mnch. 73. H T. Scordium L.
32. Pastinaca sativa L. 74. * Armeria vulgaris Willd.
33. h Chaerophyllum bulbosum L. 75. Plantago arenaria W. K. s.
34. H Galium Cruciata Scop s. 76. H * Atriplex nitens Rebent.
35. H Dipsacus silvestris Mill. 77. h Rumex maritimus Murr.
36. * Asterocephalus Columbaria Wallr. 78. h Polygonum nodosum Pers.
37. Cichoirum Intybus L. 79. h * Tithymalus Esula Scop.
38. h * Petasites tomentosus DC. 80. * T. paluster Kl. und G.
39. H Aster parviflorus Nees s. 81. h * Salix viminalis L.
40. h * Inula britanica L. 82. S. purpurea L.
41. h * Pulicaria dysenterica Gärtn.
42. H Gnaphalium luteo-album L.


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83. H * Hydrocharis morsus ranae L. 90. J. Tenageia Ehrh. s.
84. h Butomus umbellatus L. 91. H * Heleocharis acicularis R. Br.
85. Calla pallustris L. s. 92. Scirpus setaceus L.
86. Allium carinatum L. 93. S. maritimus L. s.
87. h A. Schoenoprasum L. 94. S. compressus Pers.
88. Asparagus officinalis L. 95. Elodea canad. Mich. 1866.
89. h Juncus compressus Jacq.  
 
Stecknitzpflanzen.
 
1. Ranunculus Lingua L. 21. Mentha Pulegium L.
2. Nasturtium officinale R. Br. 22. Nepeta Cataria L. s.
3. Erysimum hieracifolium L. 23. Polygonum Bistorta L.
4. Parnassia palustris L. 24. Potamogeton lucens L.
5. Elodea canad. Michl. 1865. 25. Potamogeton crispus L.
6. Geranium columbinum L. s. 26. P. compressus L.
7. Ulex europaeus L. 27. Orchis maculata L.
8. Vicia lathyroides L. s. 28. O. latifolia L.
9. Rubus saxatilis L. s. 29. Listera ovata R. Br.
10. Trapa natans L. (1800 Nolte!) 30. Paris quadrifolia L. s.
11. Hippuris vulgaris L. s. 31. Tulipa silvestris L.
12. Oenanthe Lachenalii Gmel. 32. Anthericum Liliago L. s.
13. Selinum carvifolia L. 33. Scirpus radicans Schk. s.
14. Thysselinum palustre Hoffm. 34. Carex pulicaris L.
15. Sherardia arvensis L. 35. Equisetum silvaticum L.
16. Cnidium venosum Koch. 36. Lycopodium Selago L. s.
17. Senecio aquaticus Huds. 37. L. inundatum L.
18. Hieracium pratense Tsch. 38. PoIypodium Phegopteris L.
19. Verbascum Lychnitis L. 39. Polystichum Thelypteris Rth.
20. Atropa Belladonna L. s. 40. P. Oreopteris DC.



Die Richtigkeit vorstehender Tafel vorausgesetzt, d. h. vorausgesetzt 1) daß die aufgeführten Pflanzen wirklich der Elbe resp. Stecknitz eigenthümlich sind, und 2) daß nicht Pflanzen übersehen sind, die mit Recht dieselben Ansprüche erheben, was leider am Südufer der Elbe der Fall sein wird, wo ich eigentlich nur die Wasserkante durchsucht habe, ergiebt sich folgendes: Die Elbe hat 94 Pflanzen, die ihr mehr oder minder angehören; von diesen wachsen 18 auf dem hannöverschen, 49 auf dem nördlichen Ufer, 27 endlich sind beiden Ufern gemeinsam. Die Anzahl der specifischen Stecknitzpflanzen beträgt 40, und außer diesen wachsen im Stecknitzthale noch 34 Elbpflanzen, von welchen 12 dem nördlichen Ufer, 7 dem südlichen, 15 beiden Elbufern an-


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gehören. Ziehe ich endlich diese 34 beiden Flüssen gemeinsamen von den 94 Elbpflanzen ab, so bleiben 60 specifische Elbpflanzen übrig; mithin sind 60/94 oder 2/3 der an der Elbe wachsenden Planzen specifische Elbpflanzen und ebenso 40/74 oder 4/7 der an der Stecknitz wachsenden Pflanzen specifische Stecknitzpflanzen. Unter den 34 beiden Flüssen gemeinsamen Pflanzen sind zwar manche gewichtige Zeugen, z. B. Oenothera, Eryngium, Petasites, Inula, Veronica longifolia u.s.w. - aber wie, wenn Reichenbach's Notiz richtig wäre: "Oenothera biennis advena dicitur e Virginia anno 1614" (Rchb. fl. germ. excurs. pag. 637)? Dann hätten wir nur ein schlagendes Beispiel von rascher Verbreitung einer Pflanze, und die Elbe brauchte ihren Lauf nicht verändert zu haben.

Da Dr. W. Klatt in Hamburg ohne meine Einwilligung meine ihm zur Durchsicht übersandten Pflanzen-Cataloge in seiner "Flora des Herzogthums Lauenburg" veröffentlicht hat, so bin ich der Aufzählung der hiesigen Phanerogamen überhoben und eine Schilderung der Kryptogamen, von welchen besonders die Pilze im weiteren Sinne meine Lieblinge waren, würde die Grenze dieser Blätter überschreiten. Deshalb will ich die Florenzeichnung mit einigen Bemerkungen schließen. Der Boden ist hier, mit Ausnahme einzelner kleiner Dünen, überall mit Pflanzen bedeckt, wo er am leichtesten ist, mit Nardus stricta L., Avena praecox P. B., A. caryophyllea Web. und Corynephorus canescens P. B., untermischt mit Cladonia rangiferina, Grimmia canescens und Calluna vulgaris Salisb. Wo er nur einigermaßen feucht ist, kämpfen die besseren Gramineen mit Hypnum squarrosum und H. cuspidatum um den Platz. In feuchten, schrägen Wegen, die nur die geringste Thonschicht abgesetzt haben, ist überall Ceratodon purpureus Meister. Auf Mauern und faulendem Holze straft das freudige Grün von Barbula muralis, B. ruralis

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und B. subulata, seltener Encalypta vulgaris, an nassen thonigen Abgängen wächst Funaria hygrometrica. In moorigen Niederungen zwischen Carices, Eriophorum und Salix repens gedeihen Polytrichum commune und P. juniperinum. Der Waldboden ist bedeckt mit Catharinea undulata, Hypnum triquetrum, H. cristacastrense, H. abietinum, H. tamariscinum, H. velutinum, H. cupressiforme, Polytrichum juniperinum, nur selten findet man einzelne Polster von Leucobryum vulgare. An schattigen Wällen wächst die liebliche Bartramia pomiformis, selten Buxbaumia aphylla, in Löchern der Haidegegenden Polytrichum nanum und P. aloides, umkränzt von Lycopodium clavatum L. - In klaren Wasserlöchern trifft man Fontinalis antipyretica, in sumpfigen Sphagnum cymbifolium, S. subsecundum, S. acutifolium und S. squarrosum; an feuchten Grabenrändern Mnium undulatum, M. affine und Climacium dendroides, und wo Calluna wächst, auch Cladonia coccifera, C. pyxidata und C. alcicornis integra, zusammen mit Peltigera canina, P. polydactyla, selten auch Marchantia polymorpha; auf Blöcken hauptsächlich Grimmia pulvinata, Parmelia parietina und Lecanora elegans. Die Baumstämme sind oft zu ihrem Schaden bewachsen mit Parmelia parietina, P. olivacea, P. Acetabulum (sehr schön, aber nicht häufig), P. Saxatilis, L. stellaris tenella, P. pulverulenta, selten mit Lobaria pulmonaria, ferner mit Pertusaria communis amara und leioplaca, Lecanora subfusca vulgaris und L. pallida. Nicht so häufig sind Parmelia caperata, P. ceratophylla und P. tiliacea, und an Birken Verrucaria epidermidis albissima. - Gemein sind aber wieder Cetraria glauca, Hagenia ciliaris, Evernia furfuracea, E. prunastri, Ramalina calicaris, und zwar die var fastigiata, fraxinea und farinacea, endlich Usnea barbata, die an feuchten Orten die Eiche zu Grunde richtet. Von Moosen führe ich hier nur an: Radula complanata

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und Frullania dilatata sammt Orthotrichum coarctatum, O. anomalum, O. fastigiatum, O. speciosum (?) und Hypnum polycarpum. - Icmadophila aeruginussa Scop mit ihrer dichten aufrechten Belaubung und den gestielten rothen Früchten ist sehr häufig an Populus pyramidales Rozier und Ulmus campestris L.

Werfen wir einen Blick auf die Bäume, so finden wir z. B. in der großen Häse und in den "Langen Bergen" Eichen und Buchen in schönster Entwickelung, mit hohen geraden Stämmen und zum Theil von beträchtlichem Durchmesser. Pinus silvetris L. gedeihet überall gut, Picea vulgaris Lk. kränkelt oft, ist auch nirgend im Großen angepflanzt, Larix europaea DC. wird versuchweise an geschützten Stellen gehegt, lohnt aber auch die Mühe nicht. Fraxinus excelsior L. kommt nur strichweise häufig vor, gedeihet aber vortrefflich, und ist unstreitig der schönste Baum, den wir besitzen, oft 80' hoch, mit meistens ungetheiltem glatten Stamm und regelmäßiger schön gewölbter Krone. Ulmus campestris L. ist wohl kaum einheimisch zu nennen, steht indeß sehr häufig an Wegen und Chausseen, auch bisweilen in Bauer-Buschkoppeln. Acer campestre L. gemein, aber nirgend ein großer Baum. - Tilia parvifolia Ehrh. in Hölzungen sehr selten, wohl nicht heimisch. - Die Gärten unserer Stadt und der Dörfer prangen mit schönen Obstbäumen; Aepfel- und Birnbäume von 1 ½ ' Durchmesser sind viele in den "Gänge-Garten" und sonst. Die gemeinen Sorten tragen fast jährlich, die feineren nur alle 2-3 Jahre reichlich Früchte. Mespilus germanica L. und Juglans regia L. dürften noch besonders genannt werden; der letztere ist durch seine große Anzahl und zum Theil majestätische Größe eine wahre Zierde unserer Stadt. An seiner Rinde ist Opegrapha varia hebraica gemein, aber ebenso an Eichenstämmen. - In Beziehung auf die Sträucher sei erwähnt, daß Lonicera Xylosteum L. hier

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gänzlich fehlt, sie kommt einzeln im Sachsenwalde vor, steht aber im Amte Steinhorst in jedem Knick häufig. Aehnliches gilt von Ilex Aquifolium L., die hier äußerst selten ist, und von Juniperus communis L.

Jetzt sei noch ein Blick auf die Thierwelt unseres Bezirks geworfen, ebenfalls nur ein flüchtiger Blick. Denn wer vermöchte wohl von Allem, was sich hier regt und bewegt, in wenigen Zeilen ein treues Bild zu entwerfen. - Es wird hier, meine ich, am zweckmäßigsten sein, von einigen Classen oder Familien vollständige Verzeichnisse zu geben, anderes aber unter gewisse Gesichtspunkte zusammenzufassen.
 


SÄUGETHIERE.
 

Mir sind, die Hausthiere eingerechnet, 42 Species bekannt, von welchen ich folgende nahmhaft machen will: Rhinolophus Hipposiderus Bechst., Plecotus auritus L., Vesperugo Noctula K. und Blas., V. serotinus K. und Blas., Vespertilio murinus Schreb., V. Bechsteinii Leisl. - Crossopus fodiens Pall., C. vulgaris L., C. pygmaeus Pall. - Meles Taxus Schreb. - Foetorius Lutreola K. und Blas., freilich nicht hier, sondern an der Wacknitz, von wo Dr. Brehmer ein Exemplar zugeschickt ist. – Lutra vulgaris Erxl. - Myoxus avellanarius L., die übrigen Myoxen fehlen. Mus Rattus L., freilich selten. Mus minutus Pall., selten. Arvicola arvalis Pall., die ich nur deshalb anführe, weil sie wahrscheinlich die Elbe durchschwimmt. Vor einigen Jahren war sie in ungeheurer Menge auf unsern Feldern; plötzlich war sie verschwunden, und gleich darauf hörte ich, daß Hohnstorf damit überschwemmt sei. - Sus scrofa L., nicht nur im Saupark bei Brunstorf, welcher mehrere Hundert enthält, sondern in allen größeren Wäldern, wenn auch nicht häufig. Der Hamster und das Damwild fehlt. Im Jahre 1841 sahe ich im Sachsenwalde einmal circa 80 Edelhirsche beisammen.

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Felis catus L. ist vor einigen Jahren bei Gülzow geschossen worden. - Pferde-, Rinder- und Schweinezucht blühet. In den Dörfern ist nur das ordinäre Schaf, auf den Höfen sind bessere, zum Theil sehr gute Racen. Die Hausziege ist überall in Städten und Dörfern verbreitet. Der Esel fehlt.


VÖGEL.
 

Bei diesen leichtbeschwingten Gästen kann ich auch die Grenze meines Bezirkes nicht überall inne halten. Ich führe folgende auf:

Aquila Chrysaetos L., 1862 bei einem Treibjagen hier geschossen. Pandion haliaetos L., Falco peregrinus Briss. (?), F. subbuteo L., F. tinnunculus L., Milvus regalis Briss., Astur palumbarius L., A. nisus L., Circus cyaneus L., C. aeruginosus L., Buteo vulgaris Bechst., Strix bubo L. - Picus viridis L., nicht selbst gesehen.

P. canus Gm., P. martius L., P. major L., P. medius L., P. minor L., Iynx torquilla L., Alcedo ispida L. - Anthus pratensis L., Cinclus aquaticus Briss., Saxicola rubetra L., Sylvia atricapilla Briss., Regulus cristatus Koch, R. ignicapillus Brehm., Pyrrhula rubricilla Pall., Fringilla linaria L., Loxia curvirostris L., Bombycilla garrula L., letzterer war vor etwa 12 Jahren Winters in großer Menge hier. - Phasianus colchicus L. in Fasanerien, und von da aus verwildert. - Otis tarda L., nicht hier, aber bei Göttin, zwischen Büchen und Mölln. Scolopax rusticola L., S. gallinula L., S. gallinago L., Totanus hypoleucus L., Ciconia nigra L., Ardea stellaris L. - Larus ridibundus L., tridactylus, canus, marinus, Sterna hirundo L., Podiceps minor L., P. cristatus L., letzterer besonders häufig im Ratzeburger See, wo bisweilen Winters auch ein Cygnus sich einstellt. - Ciconia nigra nistete früher jährlich bei Brunstorf, und flog von da allabendlich nach Sahms, um in der Steinau zu fischen. Da trieb er an flachen Stellen

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des Baches die Gründlinge etc. in eine Bucht des Ufers, ließ sich auf's Fersengelenk nieder, hielt mit ausgespannten Flügeln die Seitenausgänge geschlossen, und verzehrte dann mit Wohlbehagen die eingeschlossenen Fische. Fulica ata L.


AMPHIBIEN.

Diese kann ich wegen ihrer geringen Anzahl sämmtlich namhaft machen: Lacerta agilis L., Anguis fragilis L., hier durchweg für ein höchst giftiges Thier gehalten. - Tropidonotus natrix L., Pelias berus L. - Hyla arborea L., Rana esculenta L., R. platyrhinus und oxyrhinus Steenstr., Pelobates fuscus Laur., Bombinator igneus Merr., Bufo cinereus Schneid., B. calamita L., B. variabilis Gm., letztere bisher nur auf dem Kirchplatze in der Stadt, und in wenigen Exemplaren. Salamandra maculata Laur., nicht selten in den "Langen Bergen". Triton palustris L., T. punctatus Merr., T. cinereus Merr., letzteren habe ich auffallender Weise nie im Wasser, jedoch mehrere Male Winters unter Steinen angetroffen. - Pelias berus ist in unsern Wäldern häufig, und hat schon manchen Heidelbeerpflücker gebissen, doch ist mir kein einziger Todesfall bekannt geworden. - Vor Jahren durchstach ich zu Sahms einen stark geschwollenen, scheinbar todt daliegenden Tropidonotus natrix mit einem Spaten, und siehe, nur Verdauungsbeschwerden hatten ihn gelähmt, ich durchstach zugleich einen mittelgroßen Arvicola amphibius Blas.


FISCHE.
 

Von den 27 Elbfischen, die mir bis jetzt bekannt geworden sind, nenne ich hier die wichtigeren: Perca fluviatilis L., Lucioperca Sandra C., Acerina cernua L., Cottus gobio L., Salmo salar L., (S. fario L. lebt nur in der Bille), Osmerus eperlanus L., Corregonus oxyrhynchus L., Cyprinus carpio L. nebst C. rex cyprinorum, Barbus

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vulgaris Cuv., Abramis brama L., Lucius esox L., Silurus glanis L., Lota vulgaris C., Rhombus vulgaris C., Anguilla fluviatilis L., Accipenser sturio L., Petromyzon marinus L. und P. fluviatilis L. Im Schallsee soll eine sehr wohlschmeckende Art aus der Gattung Corregonus leben, doch ist mir Näheres nicht bekannt. Caviar und marinirte Neunaugen sind hier Handelsartikel. - Interessant ist es zu beobachten, wie im Sommer die jungen Aale zu vielen Tausenden hart am Ufer sich den Strom hinaufarbeiten. - In Bächen leben: Gasterosteus aculeatus L., Gobio fluviatilis Cuv., Leuciscus Jeses Bl., L. rutilus L., seltener L. dobula L., ferner Esox lucius L., Anguilla fluviatilis L., Petromyzon fluviatilis L.; in Pfützen: Cyprinus gibelio Gm. und Tinca chrysitis. - Astacus fluviatilis F. ist in der Elbe ziemlich selten, jedoch in der Stecknitz und deren Nebenflüssen gemein; die Möllner haben eine gewisse Berühmtheit. - Sehr große Hechte mit grün bewachsenen Köpfen und trocknem zähen Fleische sind im Ratzeburger See.


INSEKTEN.
 

Wenn ich an einem freien Nachmittage einen recht großen Genuß haben will, so lege ich mich wohl nieder auf das Ufer auch des kleinsten Tümpels, und sehe hier dem Treiben der Natur mit offenem Auge und Ohr und mit offenem Herzen zu. Da rennen die kleinen Bembidien vor mir vorüber, oder mit bedächtigerem Schritte ein Stenus biguttatus L. Hier stürzt sich eine Lycosa piratica Wallr. auf das Wasser und rennt darüber hin, als ob es fester Boden wäre. Dort taucht langsam ein Limnaeus auf, um an der freien Luft zu athmen, und um ihn herum in verschlungenen Kreisen tanzen die silbernen Gyrinus. Und unter mir am Grunde des Wassers, wie regt sich’s da! Da krabbelt es von kleinen Helephoren und Hydrobien,

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und langsam mit aufgerichteten Schwanzborsten kriecht Nepa cinera L. am Boden und birgt unter unscheinbarem Mantel ihr prachtvoll zinnoberrothes Kleid. Doch plötzlich ringelt sich der Wasserspiegel, die sammetschildige Notonecta glauca L. mit ihren langen beweglichen Ruderfüßen und die schön gesprenkelte Corixa punctata Burm. sind aufgetaucht, um sich den schönen blauen Himmel zu betrachten, aber blitzschnell verschwinden sie wieder in die Tiefe. Und während ich noch nachsehe, schlängelt sich Haemopis vorax Sav. vorüber, und hinterdrein Agaben und Ilybien und Colymbeten. - Und über und neben mir da regt sich's auch; hier summt Culex pipiens L. blutdürstig um meinen Kopf herum, dort schwirrt Libellula depressa L. nahe über dem Wasser hin, und verzehrt dann, auf dem Halme sitzend, gemüthlich ihre Beute. Und wenn ich endlich die stille Betrachtung abbreche, so poltern rechts und links die grünen Frösche ins Wasser, die inzwischen leise aufs Ufer geklettert waren, sich zu sonnen.

Und ähnlich, wie es hier gezeichnet ist, offenbart die Natur sich überall, wo nur Herzen sind, die ihre Sprache vernehmen, offenbart sich Gott - denn seine Werke sind es, die wir hier betrachten, seine Gebote sind es, die alle diese kleinen Wesen vollkommen erfüllen.

Ich lasse beispielsweise die Käfer dreier Familien folgen, soweit ich sie bisher hier aufgefunden habe, und wähle dazu die Carabi, Scarabaei und Cerambyces aus, weil diese als die größeren am besten zur Vergleichung dienen können.

 

CARABI.
 
Elaphrus uliginosus F. Nebria livida L.
Elaphrus cupreus Megl. Nebria brevicollis F.
Elaphrus riparius F. Leistus ferrugineus L.
Elaphrus (Blethisa) multipunctata L. Cychrus rostratus F.
Notiophilus aquaticus L. Procrustes coriaceus F.
Notiophilus semipunctatus Duft. Carabus glabratus F.
Omophron limbatum F. Carabus violaceus, a. L.


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Carabus auratus L. Amara ferruginea L.
Carabus nitens L. Amara apricaria F.
Carabus cancellatus Ill. Amara trivialis Gyll.
Carabus granulatus L. Amara familiaris Crtz.
Carabus nemoralis Ill. Chlaenius sulcicollis Payk.
Carabus hortensis L. Chlaenius nigricornis F.
Carabus silvestris L. Chlaenius Schrankii Dft.
Calosoma Sycophanta L. Calathus cisteloides Ill.
Panagaeus crux major L. Calathus fulvipes Gyll.
Loricera pilicornis P. Calathus fuscus F.
Badister bipustulatus F. Calathus melanocephalus L.
Demetrias unipunctatus Germ. Calathus ochropterus Dft.
Dromius 4 maculatus L. Dolichus flavicornis F.
Clivina fossor L. Anchomenus longiventris Eschs.
Dyschirius globosus Hbst. Anchomenus angusticollis F.
Dyschirius salinus Er. Anchomenus albipes F.
Anisodactylus binotatus F. Anchomenus oblongus F.
Harpalus puncticollis Payk. Anchomenus prasinus F.
Harpalus ruficornis F. Anchomenus impressus Pz.
Harpalus griseus Pz. Anchomenus 6 punctatus L.
Harpalus aeneus F. Anchomenus marginatus L.
Harpalus rubripes Creutz. Anchomenus versutus St.
Harpalus fulvipes F. Anchomenus livens Gyll.
Harpalus hottentotta Dft. Anchomenus moestus Dft.
Harpalus tardus pz. Anchomenus parumpunctatus F.
Harpalus picipennis Meg. Anchomenus micans Nicol.
Harpalus anxius Dft. Anchomenus feliginosus Pz.
Poecilus punctulatus F. Anchomenus picipes F.
Poecilus lepidus F. Patrobus excavatus Pkl.
Poecilus cupreus L. Trechus minutus F.
Arguter vernalis F. Bembidium pallipes Megl.
Omaseus melanarius Ill. Bembidium flavipes L.
Omaseus nigrita F. Bembidium striatum F.
Omaseus anthracinus Ill. Bembidium paludosum Pz.
Omaseus gracilis Dej. Bembidium pusillum Gyll.
Omaseus aterrimus F. Bembidium 4 maculatum L.
Platysma picimana Creutz. Bembidium celere F.
Pterostichus niger F. Bembidium velox Erichs.
Abax striola F. Bembidium 4 guttatum F.
Cephalotes vulgaris Bon. Bembidium Andreae F.
Stomis pumicatus Pz. Bembidium cruciatum Dej.
Zabrus gibbus F.
 
SCARABAEI.
   
Oryctes nasicornis L. Cetonia metallica Payk. (floricola Hbst. und alboguttata And.)
Osmoderma eremita F. C. aurata L.
Gnorimus variabilis L. Anomala Frischii F.
G. nobilis L. Phyllopertha horticola L.
Valgus hemipterus L.


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Melolontha vulgaris F. Aphodius erraticus L.
Melolontha albida Dej. Aphodius subterraneus L.
Melolontha hippocastania F. Aphodius fossor L.
Rhizotrogus solstitialis L. Aphodius haemorrhoidalis L.
Rhizotrogus assimilis Hbst. Aphodius fimetarius L.
Serica holosericea Scop. Aphodius granarius L.
Serica brunnea L. Aphodius rufescens F.
Hoplia graminicola F. Aphodius inquinatus F.
Geotrupes Typhoeus L. Aphodius pusillus Hbst.
Geotrupes stercorarius L. Aphodius punctato-sulcatus St. (var. b und c nach Bach.)
Geotrupes putridarius Eschs. Aphodius rufipes L.
Geotrupes silvaticus Pz. Aphodius luridus Payk. (var. d und g nach Bach.)
Geotrupes vernalis L. Aphodius atramentarius Erichs.
Onthophagus vacca L. Lucanus cervus L.
Onthophagus fractinicornis Preissl. Dorcas parallelopipedus L.
Onthophagus nuchicornis L. Sinodendron cylindricum F.
Onthophagus Schreberi L.
Copris lunaris L.
 
CERAMBYCES.
 
Spondylis buprestoides F. Anaesthetus testaceus F.
Prionus coriarius F. Stenostola nigripes F.
Hammatochaerus heros F. Tetrops praeusta L.
Hammatochaerus cerdo F. Obera oculata L.
Aromia moschata L. Obera linearis L.
Asemum striatum L. Rhagium bifasciatum F.
Hylotrupes bajulus L. Rhagium inquisitor L.
Calidium violaceum L. Rhagium indagator F.
Calidium variabile L. Pachyta 8 maculata L.
Clytus mysticus L. Pachyta collais L.
Clytus arietis L. Strangalia annrulais F.
Clytus massiliensis L. (?) Strangalia 4 fasciata L.
Gracilia pygmaea F. Strangalia bifasciata Müll.
Astonymus aedilis L. Strangalia melanura L.
Molorchus umbellatarum L. Strangalia nigra L.
Leiopus nebulosus L. Strangalia atra F.
Pogonocherus pilosus F. Leptura testacea L.
Lamia textor L. Leptura cincta F.
Mesosa nubila Ol. Grammoptera livida F.
Saperda scalaris L. Grammoptera ruficornis F.
Saperda populnea L. Grammoptera laevis F.


Es würde zu weit führen, wollte ich alle übrigen Ordnungen der Insecten in gleicher Weise behandeln, auch will ich gern bekennen, daß ich in einigen derselben weniger bewandert bin. Deshalb ziehe ich es vor 1) aus allen Classen, mit Ausnahme der Mollusken, einige Thiere zu

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nennen, welche
hier selten oder doch ziemlich selten sind, und 2) einige Thiere zu bezeichnen, welche durch ihre große Anzahl hier wirklich schädlich werden.

1. Seltene Thiere. Felis catus L., Mus Rattus L., M. minutus Pall. - Aquila Crysaëtos L., Strix bubo L., Picus viridis L., P. marti s. L., Cinclus aquaticus Briss., Bombycilla garrula P., Coracias garrula L., Ciconia nigra L., Cygnus - ? – Bufo variabilis Gm. - Cicindela silvatica L., Omophron limbatum F., Carabus auratus L., tritt erst in der Nähe von Boizenburg auf – C. hortensis L., nur in Sahms - Calosoma Sycophanta., nur ein Exemplar aus dem Glüsinger Walde - Panagaeus crux major L., Dolichus flavicornis F., nur 2 Exemplare aus Sahms - Nebria livida L., nur zwischen der Kuhgrund-Braunkohle - Athous rufus F., nur 1 Exemplar von hier - Cardiophorus thoracicus F., C. ebenius Germ., C. equiseti Hbst., Corymbites castaneus L., C. pectinicornis L., Diacanthus cruciatus L., Anthaxia morio F., Opilus mollis L., Lampyris noctiluca L., Anobium cinnamomeum St., Chrysanthia viridis Ill., Melandrya canaliculata F., M. caraboides L., Silpha 4punctata L., nur im Glüsinger Walde - Copris lunaris L., bisher nur 2 Weibchen - Sinodendron cylindricum F., Dorcas parall. L., Cleonus sulcirostris L., Lytta vesicatoria F., in manchen Jahren nicht gar selten. Clythra 4punctata L. – Sphinx euphorbiae L., Papilio podalirius L. - Eucera longicornis L., Formica herculanea Oliv. - Anthrax semiatra Hffsg., Ornithomyia avicularia L. - Rhaphidia ophiopsis L., Myrmecoleon formicarius L. – Acridium migratorium L., bis jetzt erst 5 Exemplare auf der Schnackenbecker Düne im Sept. 1846 und 1847 - Decticus verrucosus L., bei Boizenburg häufig - Ranatra linearis L., bis jetzt nur 1 Exemplar aus der Stecknitz - Apus productus Leach., nur einmal sahe ich eine Lehmpfütze ganz damit erfüllt;

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außerdem fand ich einmal eine Species mit durchscheinendem, smaragdgrünen, etwas enger anschließenden Rückenschilde. - Noch möchte ich hier eines drehrunden, etwa 4’’ langen, kaum ½’’’ dicken Wurms gedenken, der, durchs Mikroskop gesehen, mit glasheller, dicker, chagrinartig schillernder Oberhaut bedeckt, und innen vom Kopf bis zum Schwanz mit gelben, Pflanzenpollen gleichenden Eiern erfüllt ist. Er findet sich nach Gewitterregen nicht eben selten auf den Blättern niedriger Pflanzen, mit der hintern Hälfte aufliegend, mit der vordern in der Luft Kreise beschreibend. Maul etc. kann ich nicht erkennen. Seine Farbe ist blaugrau oder schwarzblau. In die Hand genommen wirrt er sich knäuelartig zusammen.

2. Hiesige wirklich schädliche Thiere.
Talpa europaea L. (?) - Mus decumauus Pall., Arvicola amphibius Blas., A. arvalis Pall. - Pyrrhula domestica L. (?) – Pelias berus L. – Melolontha vulgaris L., Phyllopertha horticola L., Attagenus pellio L., Byturus fumatus F., Anthrenus museorum Gyll., hier möchte ich bitten, die prachtvollen Afterhaarbüschel der Larve, deren Häute in jedem Rumpelkasten liegen, durchs Mikroskop zu betrachten. - Anthonomus pomorum L., Bruchus granarius L., Calidium violaceum F., allerdings nur sporadisch schädlich; in Sahms durchbohrte die Larve 1857 die Dachstühle eines neuerbauten Hauses dermaßen, daß sie sämmtlich erneuert werden mußten. - Gradoptera oleracea L. und Consorten. Agelastic a alni L., Phratora vulgatissima L. und Ph. vitellinae L Pontia brassicae L., P. rapae L., Gastropacha neustria L., Liparis chrysorrhoea L., Episema coeruleocephala L., Acidalia brumata L., Carpocapsa pomonana L., Tortrix Bergmanniana L., Tinea pellionella L., T. sarcitella L., Hyponomeuta evonymella L., letztere entlaubt den hier sehr häufig in Knicken wachsenden Evon. europ. L. fast jedes Jahr gänzlich, und verunziert durch ihre schmutzigen

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lappigen Gewebe unsere Umgebung. Formica flava F. und mehrere braunschwarze Arten sind für unsere Stadt eine wahre Plage. - Anthomyia ceparu Hffsg. und Consorten - Blatta orientalis L. macht besonders den Bäckern viel zu schaffen. - Acanthia lectularia L. in Häusern und Schiffen. - Lumbricus terrestris L. richtet besonders in schattigen Gärten Schaden an, indem er die jungen Gemüsepflanzen ausreißt und in seine Röhren zieht; doch zieht er welke Blätter und Blüthentheile vor. - Noch möchte ich den schädlichen Insekten Lithocolletis roborella Tr. und Consorten beizählen, die zu unserer Betrübniß alljährlich die untere Belaubung der Eiche, zumal im Glüsinger Vorholze, oft völlig ruiniren, indem die Raupen derselben das Parenchym der Blätter verzehren und die farblosen Epidermen zurücklassen. - Von Trachea pinperda Esp., Bostrychus etc. sind wir Gottlob fast völlig verschont. Pissodes notatus Gyll. kommt allerdings ziemlich häufig vor, thut jedoch keinen erheblichen Schaden.

Zum Schluß will ich noch die Mollusken nennen, die ich bisher hier aufgefunden habe. Es dürfte dieses kleine Verzeichniß aber, zumal was Helix betrifft, noch sehr unvollständig sein.

MOLLUSKEN.
 

1. Limnaeus stagnalis Müll. 2. L. paluster Müll., am Elbufer sehr häufig, entweder die ganze letzte Windung innen dunkelviolett, oder nur ein Fleck. 3. L. auricularius Drap. 4. L. ovatus Drap. 5. L. pereger Drap. 6. L. vulgaris Pf. 7. L. minutus Drap. 8. Carychium lineatum Drap., selten unter Laub im Glüsinger Vorholze. 9. Succinea amphibia Drap. 10. S. Pfeifferi Rosm. nebst S. oblonga Drap. 11. Vitrina diaphana Drap. 12. V. elongata Drap. 13. Pupa muscorum L., an den Elbabhängen ziemlich häufig. 14. Bulimus radiatus Brug. 15. Achatina lubrica Brug., unter Laub im Glüsinger


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Vorholze nicht selten. 16. Physa fontinalis L. 17. Planorbis corneus L. 18. P. contortus Müll. 19. P. Spirorbis Müll. 20. P. vortex Müll. 21. P. nitidus Müll. 22. P. albus Müll. 23. P. marginatus Drap. 24. Valvata piscinalis Müll. 25. V. depressa Pf. 26. Paludina vivipara L., seltener als 27. P. achatina Brug. 28. P. impura Lam. 29. P. similis Drap. 30. Neritina fluviatilis L., hat sich seit der Buhnenlegung sehr vermindert. 31. Helix pomatia L., sehr häufig an den Elbabhängen, auch in Gärten. 32. H. arbustorum L., eines der schädlichsten Thiere in unsern Gärten. Aus meinem mußte ich jährlich gewiß 3000 wegsammeln. 33. H. nemoralis L., entweder einfarbig, und zwar gelb oder gelbbraun, oder ebenso und mit einer sehr breiten oder mit 3 schmalen dunkelbraunen Binden. 34. H. cellaria Müll. 35. H. incarnata Müll. 36. H. hispida Müll., ungemein häufig in Gärten, sonst nirgend. 37. H. rotundata Müll. 38. H. nitidula Ferr. (?) 39. Clausilia bidens Drap. 40. C. similis v. Charp., beide am Mauern und Bäumen gemein. 41. Anodonta cygnea L. 42. A. intermedia Lam., Elbe. 43. Margaritana margaritifera Retz., 4 ½''  lang, über 2 ½'' breit, 1 ½'' dick. Zahn reichlich ½'' hoch, unten ebenso breit, flach, oben gerundet. Elbe. Niemals Perlen. - 44. Unio pictorum L. 45. U. tumidus Retz. 46. U. crassus Retz. Eine der letzteren ähnliche, doch abweichende Form findet sich in der Steinau, einem Nebenflusse der Stecknitz. 47. Cyclas cornea Lam. 48. C. rivicola Lam., in der Elbe häufig. 49. C. lacustris Drap. 50. C. calyculata Drap., Elbe, ziemlich häufig. 51. Pisidium obliquum Lam., Gräben. 52. Dreissena polymorpha Pall., sehr gemein in der Elbe, so daß Unionen und Steine mit Klumpen derselben behängt sind. 53. Arion empriricorum Ferr., schwarz, in Wäldern oft gelbroth gefleckt, oder einfarbig gelbroth; läßt sich den Cantharellus cibarius und den Agaricus emeticus gut schmecken. 54.


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Limax maximus L., in meinem Keller. 55. L. agretis L., auf feuchten Aeckern sowohl als in Gärten eine große Plage.

Weil ich einige der kleineren Süßwassermollusken zuerst in Phryganeenlarvenhüllen aufgefunden habe, so erfordert es die Dankbarkeit, daß ich die letzteren hier kurz beschreibe. Ob die 5 hier vorkommenden Formen ebenso vielen Phryganeen-Species entsprechen, oder ob sie nach dem Alter der Bewohner oder endlich nach dem zunächst vorliegenden Baumaterial abändern, kann ich bis jetzt nicht angeben Die Baustoffe aber, welche sie auch sein mögen, sind mittelst Byssus sehr fest mit der Röhre verbunden. Die 5 Hüllformen sind folgende:

1) grüne Schilf- oder Grasblattstücke, stets längs geordnet, dicht anliegend und meistens weit länger als die Röhre. Solche Röhren haben den kleinsten Durchmesser.

2) faulende, etwa 6-7''' lange und 1-2''' dicke, oft an beiden Enden konisch abgenagte, und meistens winklig gegen die Röhrenaxe befestigte, oft berindete Holzstückchen, gewöhnlich von Alnus, bisweilen mit Schilfstengeln und Equisetengliedern gemischt.

3) fein zertrennte Holzfasern, wohl meistens aus Gramineenhalmen, von etwa 9''' Länge sind mit ihrer Mitte tangential und rechtwinklig zur Röhrenaxe befestigt, und zwar in so genau spiraliger Folge der Tangentpunkte, daß das Ganze einer hübschen walzenförmigen Bürste gleicht. Da diese Fasern im Wasser nicht erweichen, so ist wohl anzunehmen, daß jede einzeln mit der Befestigungsmasse überstrichen ist.

4) eine einfache Lage von Quarzsand.

5) Holzstückchen und Conchylien gemischt, oder auch nur die letzteren. Außer 4 Planorbisarten kommen vor:
Physa fontinalis, Succinea oblonga, Deckel von Paludina achatina, sehr häufig Cyclas cornea, meistens junge Exemplare, und selten Pisidium obliquum. Endlich auch bisweilen

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Bauchringel von Nepa cinerea, Samen von Potamogeton natans und von Iris Pseudacorus und am hintern Ende größere Flintsteinsplitter. -

So herrlich unsere Elbe ist, so hat sie doch zwei Untugenden, den niedrigen Wasserstand im Sommer und den Eisgang im Winter. Die seit undenklichen Zeiten vom hohen Nordufer jährlich herabgestürzten Sand- und Thonmassen sind an den breiteren Stellen des Stroms abgesetzt und ragen zur Sommerzeit als Sandbänke überall hervor. Aber selbst das Fahrwasser ist dann stellenweise so flach, daß oft eine ganze Flotte auf dem Sande reitet. Und wenn auch die Buhnen den Strom gezwungen haben, sein Bette zu vertiefen, so ist doch der Noth noch nicht gesteuert, und die Schiffer dürfen nur halbe Ladung einnehmen.

Einen wirklich großartigen Anblick gewährt ein Eisgang bei Hochwasser. Ich habe öfter Eisschollen gesehen, die jetzt an den Hohnstorfer Deich und unmittelbar darauf in mächtiger Drehung an unsere Eisböcke oder Häuser stießen, die mithin über 800' lang waren. Kein Wunder
daher, wenn sie mit größter Kaltblütigkeit durch die Brandmauer eines Hauses dringen, und die abgebrochene Spitze der Scholle sich im Zimmer aufs Sopha legt, wie ich es einmal selbst mit angesehen habe. In solchen Stunden wird freilich die freudige Beobachtung dieser riesigen Naturkraft durch bange Besorgniß sehr getrübt. Das Sollereis ist es eigentlich allein, welches der Stadt Gefahr droht und auch oft genug großen Schaden anrichtet, das Stromeis treibt unschädlich vorüber; und gesichert sind wir erst dann, wenn unsere Panzerdampffähre durch eine feste Eisenbahnbrücke ersetzt sein wird. - Die ordinären Gezeiten sind bei der Stadt Lauenburg nicht mehr bemerkbar, sondern reichen nur bis Zollenspiker; nur ungewöhnlich hohe Springfluthen, die von N.-W. begleitet sind, bringen bei unserer Stadt eine Steigung von etwa 2' hervor. Be-

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merkenswerth ist, daß wir mit geringen Ausnahmen alljährlich im Juni eine so merkliche Anschwellung der Elbe haben, daß oft die ganze Aue überfluthet wird. Meistens fällt diese Anschwellung mit der Mitte der Heuernte zusammen, und treibt oft bedeutende Heumassen fort. Es ist aber noch ein zweiter Uebelstand damit verbunden, nämlich jeder Grashalm wird mit einer Thonschicht überkleidet, und bevor diese durch starke Regengüsse abgewaschen ist, darf das Vieh nicht auf die Weide getrieben werden, weil sonst das "rothe Wasser" die unausbleibliche Folge ist, eine Krankheit, die freilich durch Eingebung von Ύ Quint Bleizuckerlösung und später von ½ Pfund Glaubersalz per Kopf sicher geheilt wird. - Als vor einigen Jahren, ich weiß nicht mehr aus welcher Veranlassung, die Elbe plötzlich fiel, konnte das Sollereis nicht so geschwind mitfolgen, fiel auf den Boden nieder, und zerbrach an vielen Stellen in lauter reguläre Sechsecke von fast ½' Radius. Die Dicke des Eises betrug nur einige Zolle. -

Unser Klima ist ein Küstenklima im eigentlichsten Sinne, fast immer ist es windig, und Regen und Sonnenschein wechseln scheinbar ganz beliebig. Westliche Winde herrschen vor, doch ist im Frühjahr der Ostwind oft stationär. Bei reinem Westwinde steigt das Barometer bedeutend und regnet es nicht, sonst aber bei jedem Winde. Das Dovesche Windgesetz bestätigt sich hier einigermaßen. Die mittlere Jahreswärme beträgt 6°, 35 R., und fast dieselbe Wärme (6°, 75 R.) zeigen die Quellen, welche am Grunde der Elbsteilwand hervorbrechen. Den mittlern Barometerstand und die Regenmenge kann ich nicht angeben. Unsere Regenzeit beginnt durchschnittlich mit Anfang des Juli, vorher leiden wir bisweilen an Dürre. Die größere Mehrzahl der Gewitter kommt aus Südwest; die meisten ziehen, sobald sie in die Elbnähe gekommen sind, ihr parallel nach Osten. Ueberschreiten sie aber hier die Elbe, so

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geschieht es fast jedesmal in dem Glüsinger Querthale, und dann gehen sie über Krützen nach Lütau u. s. w. Ihre Entladung an der Elbe ist meistens sehr gewaltsam, sehr starke Regengüsse, und Tags oft Hagel dabei, wie denn überhaupt unser Herzogthum, zumal die am Sachsenwalde gelegenen Ortschaften, der Hagelversicherungskasse manchen Thaler kostet. Sobald der Hagel grobkörnig wird, sind in der Regel viele niedrige Cylinder mit 6 Zähnen am Mantel, richtige Kammräder, darunter. Sehr häufig fehlt der Schneekern, gleich als ob derselbe, durch das Festwerden des atmosphärischen Wassers, einstweilen geschmolzen wäre. Fast bei jedem Gewitter, welches unserer Stadt nahe kommt, schlägt ein Blitz herunter, doch nur zweimal während 22 Jahren in Häuser, meistens wählt er einen Schiffsmast, einen Baum oder dergl. - So lief er vor 3 Jahren wohl 100 Schritte weit auf einer geschorenen Hecke in den "Gängen" hin, setzte dann über den Steig, und lief auf der parallelen Hecke weiter, bis er eine Gartenpforte traf, deren Pfosten er aus der Erde riß. Die Belaubung der Hecke war nicht vollkommen verkohlt. - Noch möchte ich eines Blitzes Erwähnung thun, der freilich schon vor vielen Jahren in meines Vaters Gemeinde, und zwar in Elmenhorst einschlug. Mein Vater, der gleich darauf hingebeten wurde, hat mir folgendes erzählt. Während des Gewitters ist die Bäuerin auf dem Heuboden, um für das Vieh Heu hinab zu werfen, ihr Mann aber sitzt, mit einem breitrandigen Filzhute bedeckt, im Wohnzimmer und wiegt ein Paar Zwillinge. Der Blitz fährt durch das Strohdach ohne zu zünden (es regnete sehr stark), durchbohrt den Rumpf der Frau der ganzen Länge nach und brennt ihn dermaßen aus, daß er einem Kanonenlauf nicht unähnlich war - fährt durch die Zimmerdecke, zerpflückt den Filzhut des Bauern in die kleinsten Fetzen, schmilzt die großen zinnernen Westenknöpfe, reißt beide Stiefeln der Länge nach

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uf, und schmilzt deren Hufeisen. Die kleinen Zwillinge lachen in unnatürlicher Weise fortwährend, und ihre obern Augenlider hängen bis an das Jochbein schlaff herab. Im Zimmer sind alle Scheiben zertrümmert, das Fensterblei geschmolzen, die Nägel aus den Wänden, die Thürangeln aus den Pfosten, ja aus einem Besemer sämmtliche Messingstifte gerissen. - Der Mann hatte eine unbedeutende Verletzung an der Nase erhalten, die bis an sein Ende nicht wieder heilte, die beiden Kinder haben rothe Augen bekommen und sehen schlecht. Das Haus gerieth nicht in Brand. - Neben unserm vormaligen Wohnhause in Sahms schlug der Blitz in eine italienische Pappel und tödtete sie so gründlich, daß keine der weit umherkriechenden Wurzeln wieder trieb. Zu bemerken war nur ein zollbreiter schwärzlicher Streifen am Stamme. - Meine Leser müssen entschuldigen, daß ich noch zwei Blitzthaten mittheile, welche dessen locomotorische Kraft beurkunden. In einer Bauernbuschkoppel bei Tramm schlug der Blitz eine reichlich Ύ' dicke Eiche nahe über dem Erdboden quer ab, und schleuderte sie wohl 20 Schritte weit fort; alle in dieser Richtung stehenden Bäume fand ich zerbrochen. - Gesetzt auch, daß hier eine plötzliche Expansion von Wasser, welches sich möglicherweise in einer Höhlung des Stammes angesammelt hatte, die Wurfkraft erzeugte, so läßt doch der jetzt zu erzählende Vorfall solche Deutung nicht zu. Im Jahre 1842 war ich Hauslehrer in Steinhorst, und ging eines Sonnabends über Rahlstedt nach Hamburg. In Rahlstedt wurde hart an der Straße ein neues massives Haus gebaut, und das Mauerviereck mochte wohl schon 3' Fuß hoch sein. Als ich am folgenden Tage wieder durch Rahlstedt kam, erblickte ich eine große Menschenmenge bei diesem Mauerkranze, denn siehe, das ganze Viereck, soweit es oberirdisch war, war durch einen Blitz etwa 5' weiter von der Straße abgerückt worden, und zwar ohne bemerkbare Verschiebung der Ziegelsteine.

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Der Ackerbau wird in unserm Ländchen mit großer Sorgfalt betrieben, und es ist jetzt so ziemlich jedes Stückchen Erde, welches früher noch wüste lag, in seinen Bereich gezogen. Wo Mittelboden oder leichter Boden ist, hat man sich die Mühe und die Kosten des Mergelns selbst dann nicht verdrießen lassen, wenn der Mergel erst in 20' Tiefe auftrat. Der Ertrag der Einsaat ist natürlicherweise verschieden; auf Mittelboden übersteigt er selten das 6te Korn. Als mein Vater seine Felder gemergelt hatte, ernteten wir in den zunächst folgenden Jahren 18fach, 16fach, 12fach, jedoch nach etwa 10 Jahren nur mehr 6fach, wie vor dem Mergeln. Der Kalk war während dieser Zeit wohl absorbirt, indeß der Thon des Mergels hält doch noch auf längere Zeit die Ackerkrume feuchter, liefert Kali und Kieselsäure, und befördert dadurch den Strohwuchs.

Das ganze Land ist verkoppelt, und Untheilbarkeit der Bauerstellen wenigstens principieller Grundsatz. Die Folge davon ist, daß die meisten Dörfer wohlhabend sind, und gefällige, gesunde Wohnhäuser aufweisen, aber daneben auch, daß unzählige heirathslustige Individuen in den drei Städten sich niederlassen, und darin großentheils verarmen. -

Erst seit etwa 20 Jahren wird Weizen allgemein gebaut, mit Ausnahme der eigentlichen Sandregionen an der Stecknitz, wo nicht einmal weißer Hafer wächst. -An Wiesen mangelt es im Allgemeinen nicht, wo sie aber nicht ausreichen, wird viel rother Klee gebaut. Die technische Cultur hat unter dem dänischen Regimente schlummern müssen, doch wir hoffen, daß sie unter Preußens Schutze wenigstens allmälig aufblühen werde. Liegt doch, möchte ich behaupten, kein Land so günstig für den Absatz als gerade unser Herzogthum, und wir besitzen daneben die trefflichsten Communicationswege, die Elbe, den Stecknitzkanal und mehrere Chausseen, ja die Berlin-Hamburger und die Hannover-Lübecker Bahnen kreuzen sich in unserem Lande. -

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Die Bewohner des Herzogthums müssen wohl als ein Mischvolk aus Sachsen und Wenden angesehen werden. Hoher intellectueller Bildung dürfen sie sich eben nicht rühmen, aber sie sind dafür auch meistens von den leidigen Folgen der Halbbildung verschont geblieben, und halten, mit geringen Ausnahmen, in kindlicher Einfalt noch fest am Glauben ihrer Väter. Der plattdeutsche Dialekt in mittelbreiter Form ist durchweg Landessprache in den Dörfern sowohl als in den Städten. Leider haben die hohen Kornpreise der letzten Jahre, zumal in der Nähe der Städte, die alte einfache Sitte und Kleidung großentheils verdrängt, und den Sinn verweltlicht.

 


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