Jahresband 1885

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


 






 


Inhalts-Verzeichniß.

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Jahresbericht (Dührsen, W.)
 
101-104
Flüchtiger Blick in die Natur des Südrandes des Herzogthums Lauenburg, von W. Claudius
(Fortsetzung und Schluß)
 
105-128
Devisen, Wahl- und Sinnsprüche der lauenburgischen Herzöge, von Max Schmidt (Fortsetzung)
 
129-136
Die Epitaphien in der Möllner Kirche, von W. Dührsen
 
137-149
Am Ende des Jahres 1806 (Beer)
 
150-157
Die Inschriftsteine in der Sacristei der Möllner Kirche,
von W. Dührsen
 
158-164
Das allgemeine Kirchengebet als Geschichtsquelle,
von Pastor Lindenberg in Nusse
 
165-170
Das Dorf Kühsen im Besitz des Klosters Loccum,
von W. Dührsen
 
171-174
Schlackenwerth in Böhmen, Sitz lauenburgischer Herzöge,
von W. Dührsen
 
175-184
Urkundliche Nachrichten über die lauenburgischen Schützengilden - 1. Die Schützengilde in Lauenburg a. E.
(Anonymus)
 
185-204
Aus dem Ratzeburger Stadtbuch,
von Bürgermeister Hornbostel in Ratzeburg

 
205-208

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Im Laufe des Vereinsjahres 1884/85 sind folgende Herren dem Verein als ordentliche Mitglieder beigetreten:
 

Aereboe, Lehrer, Mölln.
Aust, Hotelbesitzer, Lauenburg.
Basedow, Postsecretair, Lauenburg.
Berg, Holzvogt, Franzhof.
Bibliothek, Königliche, Berlin.
Bohnsack, Gemeinde-Vorsteher, Siebenbäumen.
Bolbrügge, Prem.-Lieutenant, Mölln.
Bruhn, Civil-Ingenieur, Mölln.
Burmester, L., Senator, Mölln.
Dieckmann, O., Sandesneben.
Eichenberg, Dr., Stabsarzt, Mölln.
v. Gundlach, Lieutenant, Schwerin.
Hamann, F., Müller, Mölln.
Hennies, Landvogt, Lauenburg.
Hintze, Apotheker, Lauenburg.
Hoeltich, A., Kaufmann, Mölln.
Höltich, Gemeinde-Vorsteher, Wentorf.
Homburg, Hofbesitzer, Lütau.
Krafft, Senator, Lauenburg.
Kröger, Lehrer, Duvensee.
v. Langrehr, Hauptmann, Ratzeburg.
v. Linstow, Amtsgerichts-Secretair, Lauenburg.
Lüders, Pastor, Niendorf a. d. Stecknitz.
Lüders, Dr. med., Lauenburg.
Meins, Hufner, Wentorf.
Meyer, Hufner, Culpin.
Moraht, Dr. A., Pastor, Mölln.
Pflug, A., Pastor, Gülzow.
Prösch, Maurermeister, Schwarzenbek.
Rieloff, Dr. F., Referendar, Mölln.
Roth, Amtsrichter, Lauenburg.
Scharffenberg, J., Gastwirth, Sandesneben.
Schreiber, Lehrer, Lauenburg.
 

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Schröder, stud. phil., Kiel.
Schulz, Cantor, Mölln.
Staeding, J., Rentier, Mölln.
Stamer, Pächter, Stintenburger Hütte.
Thiede, C., Schlachtermeister, Lauenburg.
Thölke, Rentier, Schwarzenbek.
Vogel, Bürgermeister a.D., Lauenburg.
Voigt, Dr. F., I. Beamter d. Landherrenschaften, Hamburg.
Wiegels, zweiter Bürgermeister, Lauenburg.



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Der Verein für die Geschichte des Herzogthums Lauenburg

übergiebt in dem vorliegenden Buch das zweite Heft des I. Bandes seines Vereinsarchivs. - Die Zahl der Vereinsmitglieder ist erfreulicherweise von 135 auf 178 gestiegen, ebenso haben sich die Sammlungen des Vereins vermehrt, die nach wie vor im alten Sitzungssaal des Rathhauses zu Mölln asservirt werden (hervorzuheben ist das interessante AQUAMANILE - Löwe von Bronze mit Gießvorrichtung -, welches der Magistrat dem Museum anvertraut hat und welches wahrscheinlich aus der Kirche zu Mölln herrührt). Mit folgenden anderen Geschichts-Vereinen ist der hiesige in Schriftenaustausch getreten: Verein für Hamburgische Geschichte in Hamburg, Gesellschaft für schleswig-holstein-lauenburgische Geschichte in Kiel, Verein für Lübeckische Geschichte und Alterthumskunde in Lübeck, Gesellschaft für Kieler Stadtgeschichte in Kiel, Verein für mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde in Schwerin, Verein für Geschichte und Alterthümer der Herzogthümer Bremen und Verden und des Landes Hadeln in Stade und Museumsverein für das Fürstenthum Lüneburg in Lüneburg. Außerdem ist, um sich die Vereinspublicationen zugänglich zu machen, die Königliche Bibliothek zu Berlin dem Verein als Mitglied beigetreten. Der historische Verein für Niedersachsen zu Hannover, der hansische Geschichtsverein zu Lübeck und der Verein für Heimathskunde des Kurkreises zu Wittenberg, Prov. Sachsen, welche unter Mittheilung des ersten Heftes des 1. Bandes des Vereinsarchivs ebenfalls aufgefordert worden, mit dem hiesigen Verein in Schriftenaustausch zu treten, haben sich bis jetzt noch nicht darüber erklärt, ob sie dazu geneigt seien. Kürzlich hat sich in Posen unter dem Namen "historische Gesellschaft für die Provinz Posen" ein historischer Verein gebildet, mit welchem auf dessen Wunsch der hiesige Verein ebenfalls in Schriftenaustausch getreten ist. - Auch S. D. dem Herrn Reichskanzler
 

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Fürsten von Bismarck, welcher zur Zeit des Erscheinens des ersten Heftes des Vereinsarchivs gerade im Lande, nämlich in Friedrichsruh weilte, ward selbiges zugesandt, da der Verein voraussetzte, daß S. D. sich für dessen Publikationen interessiren würde. Hierauf erfolgte ein eigenhändiges, an den Vorsitzenden gerichtetes Danksagungsschreiben, in welchem der Fürst den Wunsch ausdrückte, Mitglied des Verein zu werden. Der Ausschuß beschloß daraufhin in der Sitzung vom 24. Mai v. J., an S. D. die Bitte zu richten, dem Verein als EHRENMITGLIED angehören zu wollen. Seine Durchlaucht hat dieser Bitte gern entsprochen und gehört nunmehr unserm Verein als Ehrenmitglied an, ein Vorzug des Vereins, den alle Mitglieder desselben vollauf würdigen und als ein gutes Omen für dessen Zukunft ansehen werden. - Die Generalversammlung fand am 29. Mai v. J. statt. In den Ausschuß wurden gewählt A. aus der Stadt Mölln: Premierlieutenant Nieber, Obercontroleur Kähler, Lehrer Steffens, Rector Völckel, Senator Schwaarcke, Stadtrath Behr, Oeconom Thran, Apotheker Rieper, Postmeister Bestmann, Med. Dr. Ketel, Kaufmann Johs. Dahm und Amtsgerichtsrath Dührsen, B. von Auswärts: Erblandmarschall von Bülow-Gudow, Pastor Rohrdantz-Lütau, Pastor Lüders-Niendorf a./St., Pastor Lindenberg-Nusse, Landschaftsrath v. Walcke-Schuldt-Goldensee, Gutsbesitzer Halske-Dalldorf, Postmeister Friese-Lauenburg, Gemeinde-Vorsteher Schröder-Schwarzenbek, Amtsrichter Nissen-Steinhorst, Buchhändler M. Schmidt-Ratzeburg, Oberförster Lange-Friedrichsruh und Gutsbesitzer Wentorp-Rothenhausen. Leider ist der Pastor Rohrdantz in Lütau dem Verein und dessen Ausschuß durch den Tod entrissen. In der Generalversammlung ward ferner eine Excursion des Vereins nach den Burgruinen von Linau beschlossen, welche am 14. Juli v. J. in Ausführung gebracht wurde, freilich unter nur geringer Betheiligung seitens der Mitglieder. Die Ausfahrt fiel zu allseitiger Zufriedenheit aus. Von dem schönsten Wetter begünstigt fuhr man von Mölln aus via Baelau, Borstorf und Koberg zunächst nach dem sog. Sircksfelder Wall, jener uralten Stätte, die wahrscheinlich in der Vorzeit gegen die Einfälle der Slaven ein befestigtes Lager und eine Zuflucht für die am Kampf nicht betheiligte Bevölkerung

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des mit Krieg überzogenen Landes, ihr Vieh und ihre sonstigen Habseligkeiten gebildet hat und spätestens aus der Zeit Karls des Großen herrührt, der bekanntlich durch diese Gegend den limes Saxonicus führte, die befestigte Grenze der Sachsenmark gegen die Slaven. Es liegt sehr nahe, anzunehmen, daß der Sircksfelder Wall eine Station des limes Saxonicus gebildet habe. Wie eine Insel erhebt sich der Wall, eine 2-3 Morgen große viereckige Fläche, die durch einen hohen breiten Wall, einen sich daran schließenden breiten und einst wohl sehr tiefen Graben und dann durch einen zweiten äußeren Wall eingefriedigt ist, aus seiner Umgebung, die jetzt Moor, früher aber Wasser gewesen sein wird. Bei gehöriger Vertheidigung dürfte dieser Platz uneinnehmbar gewesen sein; jetzt ist er mit herrlichen alten Buchen und Eichen bewachsen. Von dort fuhr man nach dem nahen Linau, zu den Ruinen der alten Scharffenberg'schen Burg, die sich im Garten der ehemaligen Bauervogtei befinden. Die Burg ist bereits 1349 zerstört, liegt also weit über 5 Jahrhunderte in Trümmern und doch imponiren diese Trümmer immer noch gewaltig. Gut erhalten ist noch der untere Theil des großen Thurms und das Burgverließ, in welchem vielleicht viele von den Scharpenberg's abgefangene Lübecker und Hamburger Kaufleute geschmachtet und auf Erlösung gehofft haben. Die Mauern des Thurms sind reichlich 1 Meter dick und aus unbehauenen Feldsteinen hergestellt. Im Schutt fand man außer vielen Backsteinfragmenten, besonders Dachpfannen ältester Construction, diverse Knochen, Holzkohlen, eiserne Nägel u. a. m., jedoch nichts von Bedeutung. Bei der Rückkehr von Linau machte man den Ueberresten der Burg Borchardestorp bei Borstorf noch einen kurzen Besuch. Dieselben bestehen lediglich in 2 Burgbergen, einem höheren, der den Thurm getragen haben dürfte, und einem niedrigeren, welcher mit jenem durch eine Zugbrücke, auf die die noch vorhandenen Pfähle hinweisen, verbunden gewesen sein wird. Auch diese Burg ward schon 1349 zerstört. Sie sowohl wie auch Linau wird man mit dem limes Saxonicus in Verbindung bringen dürfen. In ihren Uranfängen sind diese beiden Plätze sicherlich Stationen des limes gewesen und später, als dieser nach der definitiven Niederwerfung der Slaven (1093 Schlacht bei Schmilau) seine Bedeutung und auch

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seinen Zweck verloren, weil sie sich ihrer Belegenheit nach vorzüglich dazu eigneten, zu Burgen umgeschaffen worden.

In der Generalversammlung vom 29. Mai v. J. ward ferner noch beschlossen, ausnahmsweise die diesjährige Generalversammlung in Lauenburg a./E. stattfinden zu lassen. Dieselbe wird im Juni d. J. dem Beschlusse gemäß in Lauenburg abgehalten und wird damit eine Besichtigung der manchen dort vorhandenen Erinnerungen an die Vorzeit und hoffentlich auch ein Besuch der Ueberreste der nahen ERTENEBURG, die in den Anfängen der Geschichte unseres Landes eine so große Rolle gespielt hat, verbunden werden. Auch sei hier noch eines interessanten Vortrags gedacht, den der Herr Pr. Lieut. Nieber in der Generalversammlung hielt und in welchem er die Zwecke und Ziele unseres Vereins in eingehender Weise entwickelte. - Endlich ward noch in der Generalversammlung vom 29. Mai v. J. beschlossen, die regelmäßigen Sitzungen des Vereinsausschusses an jedem ersten Mittwoch im Monat stattfinden zu lassen. Wegen zu schwacher Betheiligung der Ausschußmitglieder an diesen Abenden hat der Ausschuß jedoch diesen Beschluß später dahin modificirt, daß nur an jedem ersten Mittwoch in den Monaten Januar, April, JuIi und October der Ausschuß regelmäßig zusammentreten soll.

Schließlich wird die am Schlusse des letzten Jahresberichts an alle Besitzer lauenburgischer Denkmäler, Antiquitäten etc. gerichtete Bitte, letztere der Vereinssammlung anvertrauen zu wollen (cf. 1 des Vereinsstatuts) wiederholt.

                                                                                                                          W. D.
 


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