Jahresband 1884

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


 

 

Beiträge zur Geschichte des Amts Steinhorst.

Von Amtsrichter E. Nissen in Steinhorst.

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I. Aelteste Zeit.


Aeltere Mittheilungen, welche die Gegend des jetzigen Amts Steinhorst betreffen, sind nur sehr spärlich vorhanden. Die erste Nachricht finden wir bei dem Geographen Ptolemaeus, der im 2. Jahrhundert vor Christi Geburt lebte und mittheilt, daß auf der nördlichen Seite der Niederelbe und auf den vor der Elbe befindlichen Inseln Sachsen gewohnt haben.

Zu Karls des Großen Zeit haben wendische oder slavische Völker zwischen der Elbe und Ostsee ihren Wohnsitz gehabt.

In der Groß-Klinkrader und Schiphorster Feldmark sollen sich noch Wendenkirchhöfe vorfinden und sind in Groß-Klinkrade vor Jahren mehrere Urnen ausgegraben worden.

In Folge der Kriege Karl's gegen die Sachsen errichtete derselbe um's Jahr 812 zum Schutze seines Landes einen Grenzwall, den limes Saxoniae, welcher sich vermuthlich von der Elbe aus über Linau durch das jetzige Amt Steinhorst und an dem Plöner See vorbei bis an
 

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die Ostsee hingezogen hat. 1169 sind, nach Helmoldt, wieder Sachsen eingewandert.

Ob die Steinhorster Gegend zu Holstein oder Lauenburg gehört hat, ist zweifelhaft 1), Dankwerth in seiner Schleswig-Holsteinischen Landes-Chronik von 1652, Seite 247, ist der Ansicht, daß dieselbe nicht zu Holstein gehört habe, wogegen allerdings spricht, daß Steinhorst in den ältesten Lauenburgischen Pfandverschreibungen 2) stets ein "Amt" genannt wird, während im Lauenburgischen immer die Bezeichnung "Vogtei" üblich war.

Die historischen Nachrichten aus den früheren Jahrhunderten lauten nicht sehr zu Gunsten der Vorfahren, sie betreffen nur Räubereien, welche besonders dadurch lohnend wurden, daß die Hamburg-Lübecker Heerstraße über Siebenbäumen, Steinhorst, Stubben und Eichede ging. Von den festen Burgen aus wurden die durchziehenden Kaufleute, wenn sie ohne Bedeckung reisten, ausgeplündert.

Als vorhandene Burgen und Schlösser werden folgende genannt:

1. Das Schloß DUVENSEE; auf demselben wohnte eine Nebenlinie der Familie von Ritzerow, welche außerdem noch Labenz, Lüchow und Klinkrade 3) besaß. Im Jahre

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1)
Siehe Schleswig-Holsteinische Anzeigen von 1806.
2) Die betreffenden Verschreibungen sind dem Titel nach abgedruckt in der Gegen-Information betreffend die zwischen Sr. Königl. Majest. zu Dännemark als Hertzogen von Holstein und Sr. Königl. Majest. von Großbritannien als Hertzogen von Lauenburg über das Stormarische Amt und Hauß Steinhorst und die durch ein Hannöversches Detachement auf Steinhorst überfallene Königl. Dänische Dragoner, entstandene Streitigkeit; der Chur-Braunschweigischen, überall ausgebreiteten, am Ende angefügten Information vom 16. December 1738 entgegengesetzt. Mit Beylagen. Gedruckt im Jahr 1739. § 7.
3) Nach dem Ratzeburger Zehntregister von 1236 gehörte „Klinkroth“ zur Parochia Nusse. 1437 verkauft das Ratzeburger Domcapitel Klinkrade für 900 Mark an Hartwig von Krumesse auf Klempow (Vaterl. Archiv I. Seite 304).


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1394 verkauften die Gebrüder Hartwig, Bartold, Diederick, Hannecke und Vollrad von Ritzerow das Gut Labenz und tho der Helle an den Lübecker Bürger Vromold Wahrendorf 1); Wahrendorf verkaufte es 1399 an Cord Breckewold in Lübeck unter Vorbehalt des Wiedereinlösungsrechts derer von Ritzerow, welche es 1403 wieder einlösten 2); 1413 wohnten auf Duvensee Johann und Vollrad von Ritzerow und 1442 Hans und Otto von Ritzerow, welche in diesem Jahre an Hinrich Constin in Lübeck das halbe Dorf Duvensee und den halben See für 500 Mark verpfändeten 3); 1443 verpfändet Bertha von Ritzerow das Dorf Lüchow dem Lübecker Bürgermeister C. Breckwold. 4) 1458 verkaufen Wittwe Abel Schack geb. v. Ritzerow und ihr Sohn Vollrad Scharpenberg 5) ihre auf den Gütern Lütken Klinkrade und der Feldmark zu Groten Klinkrade ruhende jährliche Rente von 21 Mark Lübischer Pfennige an Heinrich von dem More zu Lübeck, 1462 verkaufen dieselben an den Lübecker Rathmann Hinrich von Hechteden ihre auf dem halben Dorfe Duvensee ruhende jährliche Rente von 21 Mark für 300 Mark 6) und 1468 verpfändet die Wittwe Abel Schack für ein Darlehn von 300 Mark 7) die Hälfte von Duvensee an das Kloster Marienwohlde; durch Verträge von 1471 mit den v. Ritzerow'schen Töchtern [nämlich: Abel Schack, Adelheid Dargessen und Becke von Buchwald] 8) und von 1476 mit Otto und Hartwig von

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1) Ausführung des Rechts Jhro Königl. Majestät von Groß-Britannien als Hertzogs zu Lauenburg an das Amt Steinhorst von 1739. §§ 3 und 6.
2) Ausführung § 6.
3) Vaterl. Archiv I. Seite 397.
4) Ausführung § 7.
5) Ausführung § 3.
6) Ausführung § 3.
7) Vaterl. Archiv I. Seite 397.
8) Vaterl. Archiv I. Seite 304

 

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Ritzerow 1) kaufte Hertzog Johann IV. den Hof zu Duvensee, das halbe Dorf Duvensee mit dem halben See, sowie Lüchow, Labenz und das Wiedereinlösungsrecht von Klein- und Groß-Klinkrade, welche an Lübeck verpfändet waren. Die andere Hälfte von Duvensee gehörte zu Lübeck und wurde 1747 wieder an Lauenburg abgetreten. Klein-Klinkrade wurde erst 1774 ein selbständiges Dorf.

Das Schloß Duvensee hat wahrscheinlich am Duvenseer Wall gestanden. Daß es ein Raubnest gewesen, wird nicht erzählt.

2. Die Burg NANNENDORP, 2) nach einer Urkunde vom 8. November 1259 3) östlich von Sprenge und nördlich von Grönwohld belegen, vermuthlich dort, wo sich ¼ Meile westlich von Franzdorf jetzt noch die Trümmer der Steinburg befinden. 1291 wurde Nannendorp von den Lübeckern, Wendischen Fürsten und Städten von Grund aus zerstört, doch wieder aufgebaut. 4) Im Jahre 1344 wohnte daselbst ein Ritter Morkard Wulf, welcher von hier aus große Raubzüge unternahm, doch schon 1349 zwischen Pfingsten und Johanni 5) zerstörten die Lübecker, die Grafen von Holstein und Herzog Ehrich von Lauenburg unter Anführung des Hartwig von Ritzerow, Nannendorp. Bald darauf muß Nannendorp in den Besitz der Burgherren von Scharpenberg in Linow übergegangen sein, denn 1391 verkauften die Gebrüder von Scharpenberg das Dorf Schönberg nebst ihrem Hof und Dorf Nannendorp an den Hamburger Bürger Diedrich Cusvelt und dieser wieder

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1) Ausführung §§ 7 und 9.
2) Lappenberg, Von den Schlössern der Sachsen-Lauenburgischen Raubritter. Vaterländisches Archiv I. 140.
3) Hamburger Urkundenbuch Nr. 646.
4) Becker, Geschichte der Reichsstadt Lübeck I. S. 230.
5) Becker, Geschichte der Reichsstadt Lübeck I. S. 265.


 

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dasselbe für 540 Mark Hamburger Pfennige an Berend Pleskow in Lübeck 1).

Die Ueberreste dieser alten Raubburg sind noch jetzt sichtbar, allerdings nur in geringem Maße, denn nur ein kleiner Theil des Burgwalls und Grabens zeigt noch den Platz, wo die Burg gestanden; darnach war dieselbe belegen auf dem äußersten Punkte einer nicht unbedeutenden Höhe, welche nach drei Seiten hin, gegen Holstein, ziemlich abfällt. Von hier aus hat man eine Aussicht weit über Bargteheide hinaus. Wenn man bedenkt, daß unten im Grunde, eine Viertelstunde entfernt, bei Eichede die Lübeck-Hamburger Landstraße vorbeiführte, so war die Lage des Raubnestes sehr gut gewählt.

3. Die berüchtigtste aller Burgen war ohne Zweifel LINOW, denn von hier aus wurde das Raubritterthum am stärksten betrieben. Bereits in Folge des 1291 zwischen den Wendischen Fürsten und Städten und den Herzögen zu Lauenburg zu Dutzow abgeschlossenen Landfriedens wurde Linow durch die Lübecker geschleift. 2) Im Jahre 1308 war die Burg bereits ebenso fürchterlich wie früher 3) und nach einer erfolglosen Belagerung durch Graf Gerhard II. im Jahre 1312 4) erbauten, um die Scharpenberg's in Linow im Zaum zu halten, die Grafen von Holstein 1342 das Schloß Trittow 5); da auch dieses keinen Erfolg hatte, kaufte Herzog Ehrich der Aeltere den Scharpenberg's ihre Burg Linow im Jahre 1345 ab. 6)

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1) Linsen, Statistisches Handbuch 337, Lappenberg 140.
2) Sachau, Vaterländisch. Archiv III. Seite 389, und Becker I. 229. Kranz, Vandalia VII. 41.
3) Becker I. 241.
4) Detmar, Lübecker Chronik z. J. 1312
5) Christiani, Geschichte der Herzogthümer Schleswig und Holstein III. 181, Becker I. 256, welcher das Jahr 1326 angiebt.
6) Becker I. 264; Chronicon Lüneburgense in Leibnitii S. R. B. III. 219; Rudlof, Handbuch der Mecklenburgischen Geschichte II. 287; Manecke, Geschichte des Amts Neuhaus im neuen vaterländischen Archiv I. 135. v. Kobbe Seite 84.


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Die Scharpenberg's zogen in das Land Darzing (jetzt Neuhaus in Hannover) und setzten dort die Räubereien fort, wurden indessen von den vereinigten Sächsischen, Lauenburgischen und Mecklenburgischen Fürsten 1346 vertrieben. Lüdecke von Scharpenberg und Heinz von Brockdorf verbündeten sich, bemächtigten sich wieder der Burg Linow und trieben Räubereien und nicht zu beschreibende Gewaltthätigkeiten wie zuvor. In Folge dessen zogen Herzog Ehrich von Lauenburg, die Grafen von Holstein und die Lübecker am 8. September 1349 vor Linow, erstiegen es mit Gewalt nach 3 Wochen und ließen es durch 1500 Lübecksche Bürger in einen Steinhaufen verwandeln. Die Besatzung von Linow entkam nach Mecklenburg und als die Stadt Lübeck sich bei dem Herzog Albrecht I. beschwerte, daß er derselben Geleit ertheilt habe, erwiderte er: er habe Leute nöthig, die er seinen Feinden entgegenstellen könne 1). Damit verschwindet das Raubnest aus der Geschichte, jedoch blieben die v. Scharpenberg's ansässig in Linow, denn 1448 verpfändete 2) Vollrat von Scharpenberg, Sohn des Lüdecke von Scharpenberg, den Hof thor Lünow, dat Dorp darsulvest und dat Dorp tho Wentorp, nebst der Feldmark tho Eckenhorst dem Herzog Bernhard für 2400 Mark auf 20 Jahre und 1471 verkaufte er alles dieses dem Herzog Johann IV. erblich.

Linow hatte im Jahre 1320 3) eine eigene Kirche.

Die heute noch vorhandenen Ruinen beweisen die Festigkeit der einst so berüchtigten Linauer Burg. Auf einer künstlichen Erhöhung mit weiter Fernsicht stand die

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1) Becker I. 264 und 265; v. Kobbe Geschichte des Herzogthums Lauenburg II. Seite 84; Detmar I. 259, 271.
2) Ausführung § 8.
3) v. Kobbe III. 292.


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eigentliche Burg, unmittelbar daran auf einem 4 Meter dicken Fundament von Feldsteinen ein fester Thurm, dessen unterer Theil noch größtentheils erhalten ist, oben scheint derselbe von Backsteinen aufgeführt gewesen zu sein. Die ganze Burg war von einem noch erhaltenen Graben umgeben, welcher sie von den gleichfalls mit Gräben umgebenen noch sichtbaren 3 Außenwerken trennte. Ein im Linauer Oberteich vorhandener runder Platz, jetzt noch Schloßberg genannt, umgeben von Wall und Graben, hat sicher zum Schutz des Ganzen beigetragen. 1) Von der Linauer Burg soll ein unterirdischer Gang nach Sirksfelde geführt haben. Außer alten Dachziegeln sind bis jetzt in Linau gefunden worden: ein altes Ritterschwert, eine Lanzenspitze und eine eiserne Kelle, sowie Theile alter Rüstungen; letztere sollen im Museum zu Kopenhagen sein.

4. Nicht minder berüchtigt als Raubnest scheint STEINHORST gewesen zu sein. Im Jahre 1315 schenken Siegfried und Vollrad von Borstele 3 Hufen in Steinhorst dem Bischof von Ratzeburg zu Tafelgut. 1349 ist "die Steinhost" von dem Herzog Ehrich zu Lauenburg, in Verbindung mit dem Grafen von Holstein und der Stadt Lübeck überwältigt und zu Grunde gerichtet worden. 2) 1393 kommt ein Ritter Gerd von Steinhorst 3) vor, und am Charfreitage selbigen Jahres verkaufen Macke von Zyle und dessen Vaterbruder und Vormund Gottschalk von Zyle, genannt von der Steinhorst, ihr Gut die Steinburg, bei

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1) In den Wällen im Linauer Oberteich hatte der Sage nach der 1763 abgegangene reitende Förster König zu Linau eine Erscheinung, indem er, in der Mittagsstunde von der Jagd mit mehreren Begleitern heimkehrend, sowie auch diese auf dem Schloßberge um eine Tafel viele Menschen in alter Tracht versammelt deutlich erkannt, bis diese Erscheinung nach einiger Zeit wieder verschwand.
2) Becker I. 265.
3) Deduct von dem Dominio und der Advocatia Möllen. Urk. 32.

 

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Panthen belegen 1) und um 1291 erbaut 2), damals zur Kirche zu Nuß gehörend, mit allen Zubehörungen, an Gewässern, Fischereien, Aeckern bebauet und unbebauet, an Wiesen, an Weiden, an Holz, an Feldern, an Wegen mit aller Nutzung, Frücht, mit allem Rechte, Hoch und niederen Gerichte, an Hals und Hand, und mit allen Freyheiten, wie deren Vorfahren sie genossen - dem Bischof Gerhard zu Ratzeburg für 450 Mark Lübscher Pfennige.*)

Die Urkunde wurde 1393 am Charfreitage auf dem Kirchhofe zu Ratzeburg vollzogen und findet sich unter den solche besiegelnde Zeugen auch Detlov Scharpenberg, ohne Zweifel einer der damaligen Inhaber der alten Burg Linau 3). 1408 verkaufen Gottschalk, Wedege und Vollrat von Zylen an Herzog Ehrich den Aeltern von Lauenburg: Hof, Mühle und Teich zum Groten Steinhorst, Lütken Steinhorst, Zanzkeneve, Schiphorst, Stubben, Rekenhagen und Schönenborn 4). Ueber diesen Verkauf ist später zwischen Vollrat und Wedege von Zylen einerseits und Herzog Bernhard andrerseits Streit entstanden, jedoch ist der Verkauf durch Vergleich von 1449 bestätigt worden. Später 1466 gab Herzog Johann den Hof zu Steinhorst an Heseke von Buchwald für 800 Mark als Leibzucht zu Lehen, und 1524 setzte Herzog Magnus zu Lauenburg seinen Ministerialen

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1) Vaterl. Archiv I. 138; Masch, Geschichte des Bisthums Ratzeburg Seite 294; v. Kobbe II. 54.
2) v. Kobbe II. 23, 66.
*) Anmerkung der Redactionscommission. Diese Steinburg (Steenborg) dürfte nicht in oder bei dem jetzigen Steinhorst zu suchen, sondern mit der gleichnamigen Befestigung identisch sein, die bei Mölln der Oberschleuse gegenüber gelegen hat und von der noch Ueberreste vorhanden. Vergl. Manecke’s topogr.-histor. Beschreibung des Herzogth. Lauenburg etc. S. 372 ff.
3) Schröder Papistisches Mecklenburg Seite 1602 und v. Kobbe II. 66.
4) Ausführung § 4.
 

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Christoph von Lussow auf 10 Jahre zum Vogt zu Steinhorst ein. 1)

In Steinhorst scheinen nicht eine, sondern mehrere Burgen vorhanden gewesen zu sein, wie schon die Bezeichnung Groten und Lütken Steinhorst besagt. Genau läßt sich die Lage derselben nicht bestimmen, doch ist es höchstwahrscheinlich, daß die eine dort gestanden, wo sich jetzt das Amtsgerichtsgebäude befindet und die andere im Garten der Domäne. Als im Jahre 1818 von der Domäne nach dem jetzigen Gerichtsgebäude eine Röhrenleitung gelegt wurde, stieß man in der Richtung von Norden nach Süden mehrere Fuß tief, vor dem Amtshause auf den mit Felsen ausgesetzten Burggraben und auf die Spuren eines verbrannten Hauses von beschränktem Raum, wobei Dachziegel von alter Form, unter diesen verkohlte Sparren und Latten und ein Fußboden, theils von Kalk und theils von Mauersteinen gefunden wurden. 2) Im Garten der Domäne war noch zu Anfang dieses Jahrhunderts der mit einem Graben umgebene runde Burgplatz, auf dem vor Jahren noch viele Fundamentsteine ausgebrochen sind, zu erkennen; zum Schutze diente der 1824 noch sichtbare hohe Wall gegen den jetzt trocken gelegten Ziegelteich. Hier hat vermuthlich die zweite Burg gestanden. Diese Burgen haben an der Landstraße von Hamburg nach Lübeck gelegen, denn in der Stuttkoppel ist noch ein gepflasterter Weg, dessen Zweck sonst nicht ersichtlich ist. Auch in Sandesneben soll der Sage nach eine Burg auf dem Hügel, wo jetzt die 1278 erbaute Kirche steht, gestanden haben. Fundamente älterer Bauten sind noch bei Gr.-Klinkrade vorhanden, und der "Wallteich" bei Stubben deutet ebenfalls auf eine Burg hin.

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1) Ausführung § 4.
2) Notiz des Amtsmanns Etatsrath Schubert in Steinhorst vom Jahre 1824.

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II. Steinhorst zu Lauenburg gehörend bis 1575.
 

Das Amt Steinhorst ist nach und nach aus adligen Gütern und Dörfern von den Herzögen zusammen gekauft und stand im 16. Jahrhundert unter einem Vogt.

1345 kaufen Herzog Ehrich der Aeltere und Ehrich der Jüngere den von Scharpenbergs die Burg Linau ab; 1) 1394 kauft Herzog Ehrich III. Siebenbäumen 2) und das Gut Rondeshagen von Erhard von Parkenthin. 3) 1408 überließen Gottschalk, Wedege und Vollrat von Zylen Steinhorst, Sandesneben, Schiphorst, Stubben, Reckenhagen und Schöneborn an Herzog Ehrich IV. 4) 1471 gelangt von Vollrat v. Scharpenberg Hof und Dorf Linow, Dorf Wentorf und die Feldmark zur Eckenhorst an Herzog Johann IV. und erhält Letzterer durch Verträge von 1471 und 1476 mit den von Ritzerow'schen Töchtern und Otto und Hartwig Ritzerow den Besitz des Hofes Duvensee, des halben Dorfes Duvensee mit dem halben See, sowie Labenz, Lüchow, Groß- und Klein-Klinkrade. 5)

Durch Vergleich vom 4. Februar 1747 zwischen Georg II. von Hannover und der freien Reichsstadt Lübeck kamen die halben Dörfer Duvensee und Siebenbäumen wieder an Lauenburg. 6) Im Jahre 1757 fiel der Hof zu Schönberg durch Kauf an Lauenburg und vom 1. Mai 1775 ab wurde die "Vogtei Schönberg", bestehend aus den

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1) Siehe Note 6, Seite 63
2) Bei Siebenbäumen wurden im Jahre 1358 die Grafen Heinrich und Niclas von Holstein, welche in einer Fehde des Herzogs Ehrich II. von Lauenburg mit dem Herzog Albrecht von Mecklenburg dem Letzteren zu Hülfe kommen, von den Lauenburgern geschlagen und verloren an Gefangenen 70 Gewappnete. v. Kobbe II. 90.
3) Ausführung § 5.
4) Ausführung § 4.
5) Ausführung §§ 7 und 9.
6) Tit. I. No. 3 (Zeichen der Akten des Amts Steinhorst).

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Dörfern Schönberg und Franzdorf, von Amt Schwarzenbeck abgetrennt und dem Amte Steinhorst zugelegt. 1) In Schönberg war ursprünglich ein adliger Hof, welchen 1554 Matthias von Köhnen und 1646 die Familie von Göhren besaß, von 1574-1584 war der Holstein’sche Kanzler Dr. Adam Tratziger von Franz II. mit Schönberg belehnt. 2)

Die zum Amt gehörigen Dörfer Boden und Schürensöhlen werden nicht erwähnt und sind wohl erst später entstanden, statt deren kommen aber die Ortschaften Schönenborn und Rieckenhagen vor.

SCHÖNENBORN hat wahrscheinlich in der jetzigen Feldmark Schürensöhlen gelegen und ist daselbst vor Jahren ein großer Kirchenschlüssel gefunden worden. 1314 gehörte das Kirchspiel Schönenborn zu Holstein und 1344 besaß im Dorfe Schönenborn das Hamburgische Domcapitel 3) und 1345 der Ritter Heinrich v. Wedel einige Rechte und nach dem Lübeck'schen Zehntregister von 1427 waren zu Schönenborn eingepfarrt: Rieckenhagen, Wulmenau, Westerau und Wendisch Tralau (Tralauerholz). 4) 1590 war es wüste Feldmark. 5)

RIECKENHAGEN hat wohl dort gelegen, wo jetzt das Dorf Boden sich befindet, in der Gegend des zur dortigen Mühle gehörenden Rieckenhagener Teiches, wo man beim Graben auf den angrenzenden Koppeln Spuren alter Häuser trifft. Von der Feldmark Eckenhorst fehlt jede Kunde, vielleicht hat sie in der Gegend von Linau und Wentorf gelegen.

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1) Tit. I. No. 4
2) Duve Seite 320.
3) Staphorst, Hamburg. Kirchengeschichte I. Seite 506 No. 640.
4) Lünig, Specil. eccles. Tom. II.
5) Staatsbürgerl. Magazin IX. Seite 47.


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In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts 1) scheinen Streitigkeiten wegen des Amts Steinhorst zwischen den Herzögen von Holstein und Lauenburg entstanden zu sein, denn in einer am 11. Februar 1553 unter denselben abgeschlossenen Vereinbarung 2) ist von holsteinischen "Zusprüchen uf der Steinhorst" die Rede, in Folge des am 18. März 1542 zu Rendsburg abgeschlossenen Vergleiches blieb Steinhorst jedoch bei Lauenburg.

Der verschuldete Herzog Franz I. (der Aeltere) hatte von Friedrich von Brockdorff 20000 Rthlr. angeliehen und verpfändete 3) diesem am 13. Januar 1568 zur Sicherheit für diese Summe das Gut Steinhorst und die Dörfer Klinkrade, Labenz, Lüchow, Sandesneben, Wentorf, Linow, Schiphorst, Stubben, Siebenbäumen und Duvensee auf 5 Jahre. Trotzdem wurde am 7. August 1568 des Prinzen Magnus, ältesten Sohnes des Herzogs Franz I., Braut Sophia (Halbschwester des Königs Ehrich IV. von Schweden) als Morgengabe das Amt Steinhorst verschrieben.

Da Friedrich von Brockdorff die Wälder in Steinhorst verwüstete und die Eingesessenen schlecht behandelte, überfiel Prinz Franz II. (der Jüngere) am 20. Juni 1569 Steinhorst und nahm Brockdorf gefangen, 4) mußte ihn jedoch auf Veranlassung des Herzogs Adolf von Holstein wieder freilassen. Dieser gab auch dem von Franz II. ernannten Vogt in Steinhorst, Barthold Lützow, am 21. Februar 1571 den Befehl, dem von Brockdorff Steinhorst wieder einzuräumen, 5) jedoch ohne Erfolg. In Folge dessen nahm von Brockdorff Haus und Amt Steinhorst gewaltsam

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1) Duve, Seite 288 ff.
2) Gedruckt: Gegen-Information. Beilage A; Ausführung § 27.
3) Ausführung § 10. Der Pfandbrief ist gedruckt: Gegen-Information Beilage B. – Schleswig-Holsteinische Anzeigen von 1806.
4) Ausführung § 10; Duve, Seite 294; v. Kobbe II. Seite 285.
5) Ausführung § 10.

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ein. Der Herzog Franz I. stellte am 15. Mai 1571 dem Herzog Adolf von Holstein einen Revers dahin uns, daß er das Amt als ein Pfand des v. Brockdorff an sich lösen könne. 1) Dieser Revers wurde vom Kaiser Maximilian am 12. September 1571 zu Wien bestätigt. Friedrich von Brockdorff trat seine Forderung an Franz I. am 1. Juni 1571 an Herzog Adolf von Holstein ab. 2) Versuche der Herzöge zu Lauenburg, das Amt Steinhorst wieder einzulösen, blieben ohne Erfolg, da sowohl Friedrich von Brockdorff, als Herzog Adolf von Holstein die Auszahlung des Pfandschillings durch Nichterscheinen in den Zahlungsterminen hinderten. 3)

Am 17. November 1571 4) trat Herzog Franz I. in dem Lüneburger Vertrag die Regierung an seinen Sohn Magnus ab und bestellte dieser 1572 Adam Penz zum "Hauptmann" zu Steinhorst gegen die Verpflichtung Geld anzuschaffen, um die Schulden zu zahlen; 5) Magnus begab sich darauf nach Schweden, wurde jedoch auf der Rückreise von König Friedrich II. von Dänemark gefangen genommen und erst am 2. October 1572 wieder in Freiheit gesetzt. Magnus bedurfte jetzt Geld und erhielt solches vom Landmarschall Joachim von Bülow, sowie Joachim von Schack und Ludolf von Parkenthin, welches sie von Detlef von Buchwald auf Neversdorf und der Stadt Lübeck zum Betrage von 16000 Thlr. und 1000 Thlr. aufnahmen, wofür er ihnen das Amt Steinhorst verpfändete.

In Folge dieser Verhältnisse verlangte Franz I. die Regierung wieder zu übernehmen, welches er auch auf dem Landtage in Lauenburg erreichte, nachdem sein Sohn Franz

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1) Duve, Seite 296.
2) Gedruckt: Gegen-Information Beilage C.
3) Ausführung § 11. Duve, Seite 298.
4) Duve, Seite 299.
5) Ausführung § 13.
 

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der Jüngere sich gewaltsam in den Besitz von Steinhorst gesetzt hatte. Hierdurch veranlaßt, cedirten Joachim von Bülow, Joachim von Schack und Ludolf von Parkenthin, da sie sich nicht anders zu helfen wußten, ihre Pfandverschreibung am 20. Januar 1574 an Herzog Adolf von Holstein. 1)

Bald darauf, nämlich am 3. März 1574 trat Franz der Jüngere das Amt als ein Pfandgut, wie es Friedrich von Brockdorff besessen, an Herzog Adolf von Holstein erblich und eigenthümlich ab. 2)

Auch Herzog Franz der Aeltere hatte Geld von dem Herzog Adolf angeliehen und dafür Steinhorst verpfändet. 3) Dieses genehmigte Franz der Jüngere nachträglich durch eine in Trittau ausgestellte Urkunde vom 14. October 1574. 4)

Durch Verträge von Marienwohld und Ratzeburg vom 2. April 5) und 11. Mai 6) 1575 verkaufte dann Herzog Franz der Jüngere Haus und Amt Steinhorst für die Summe von 16000 Rthlr. Pfandschillinge nebst 1000 Rthlr. bezahlter Zinsen und 10000 Rthlr. baar an Herzog Adolf. 7)


III. Das Amt Steinhorst zu Holstein gehörend. 1575-1691 8)
 

Franz II. verheimlichte den Lauenburgischen Landständen den wirklich geschehenen Verkauf und stellte die


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1) Ausführung § 14.
2) Ausführung § 15; die Urkunde ist gedruckt: Gegen-Information Beilage D.
3) Duve, Seite 312; Schleswig-Holst. Anzeigen 1806. Der Pfandbrief ist gedruckt: Gegen-Information Beilage F.
4) Gedruckt: Duve Seite 312.
5) Gedruckt: Gegen-Information Beilage G.
6) Gedruckt: Gegen-Information Beilage H.
7) Das Nähere siehe: Duve, Seite 314 ff.
8) Das Specielle siehe: Duve, Seite 321 und 348 ff.

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Sache so dar, als wenn Steinhorst nur dem Herzog Adolf verpfändet wäre. Am 30. Juni 1590 erklärte Franz, daß ihm der Verkauf durch Furcht abgezwungen sei.

Da Steuern aus Steinhorst für Lauenburg nicht eingingen, verweigerte die Ritter- und Landschaft im Jahre 1595 eine fernere Besteuerung bis die "verpfändeten Pertinenzien gebührend concurrirt haben".

Herzog Johann Adolf von Holstein verweigerte jedoch die Steuern, weil seinem verstorbenen Vater das Amt Steinhorst von Herzog Franz II. verkauft sei. Franz des II. Bruder Moriz wollte jetzt Steinhorst als verpfändet von Herzog Johann Adolf von Holsten wieder einlösen 1); hierauf erwiderte Letzterer am 16. Mai 1607 2), daß er von einer Verpfändung Nichts wisse, da sein Vater das Amt Steinhorst von Herzog Franz erb- und eigenthümlich erkauft habe.

Im Jahre 1649 lieferte Herzog August von Lauenburg alle Urkunden und Acten hinsichtlich des Amts Steinhorst dem Herzog Friedrich von Holstein ab 3), nachdem Herzog August in einem mit Herzog Friedrich im Jahre 1648 abgeschlossenen Vertrage auf die Regierung in Steinhorst verzichtet hatte.

August's Nachfolger, der Herzog Julius Heinrich, suchte durch eine 1662 bei dem Reichshofrath gegen Herzog Christian Albrecht von Holstein eingereichte Klage Anerkennung der Landeshoheit über das Amt Steinhorst zu erlangen 4). Christian Albrecht hatte jedoch bereits das Amt Steinhorst am 20. Mai 1661 an den Amtmann zu Trittau und Reinbeck, Friedrich von Ahlefeldt zu Seestermühe und Schinkel für 307,666 Thlr. 32 ßl. in Species

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1) Das Schreiben ist auszugsweise gedruckt: Gegen-Information Beilage I.
2) Gedruckt: Gegen-Information Beilage K.
3) Ausführung § 21.
4) Ausführung § 23.

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verkauft unter Vorbehalt des Rückkaufsrechts auf 20 Jahre 1). Gegen diesen Verkauf protestirten aber sowohl Herzog Julius Heinrich von Lauenburg als auch der König Friedrich III. von Dänemark, durch ein Schreiben vom 3. September 1661, dieser als Vormund des Herzogs Hans (Johann) August von Holstein Gottorf 2).

In Folge dieser Proteste stellte Friedrich v. Ahlefeldt die nach dem Kaufcontract ihm obliegenden Zahlungen ein und gelangte auch nicht in den Besitz von Steinhorst. Christian Albrecht legte nun, um den von Fr. v. Ahlefeldt bereits empfangenen Theil des Kaufgeldes zurückerstatten zu können, seinen Unterthanen in Steinhorst die Zahlung von 20,000 Rthlr. auf und verkaufte aus den Steinhorster Wäldern für 60,000 Rthlr. 3) Holz. Gegen diese beabsichtigte Verwüstung der Forsten erhob Herzog Julius Franz von Lauenburg Einspruch und ward dieserhalb gegen Christian Albrecht im Jahre 1668 beim Reichshofrath klagbar (der Prozeß schwebte jedoch noch als mit Julius Franz 1689 die Lauenburger Herzogslinie ausstarb).

Christian Albrecht gerieth in Streitigkeiten mit Christian V. von Dänemark und verglichen beide sich 1681 dahin, daß Christian Albrecht innerhalb 6 Jahre 300,000 Rthlr. zahlen sollte. Die ersten fälligen 50,000 Rthlr. hatte Christian V. seinem Bruder dem Prinzen Georg abgetreten und Christian Albrecht diesem zur besonderen Sicherheit die Aemter Steinhorst und Tremsbüttel verschreiben müssen. Da aber Zahlung nicht erfolgte, nahm Dänemark das Amt Steinhorst in Besitz, und erst durch den Altonaer Vertrag vom 20/30. Juni 1689, welchen Prinz Georg am 9. Juli 1689 genehmigte, erhielt Christian

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1) Der Kaufbrief ist gedruckt: Gegen-Information Beilage O.
2) Ausführung § 24. Gedruckt: Gegen-Information Beilage P.
3) Ausführung § 25.

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Albrecht Steinhorst zurück, verkauft es aber schon 1691 an Magnus von Wedderkop.


IV. Das Amt Steinhorst als reichsfreies adliges Gut
unter der Familie von Wedderkop 1691-1739.

 

Magnus v. Wedderkop wurde am 26. October 1637 zu Husum geboren, besuchte das Gymnasium zu Lübeck und später die Universitäten Helmstädt, Jena und Heidelberg, darauf machte er eine Reise durch Frankreich und Italien und kehrte nach Heidelberg zurück, wo er zum Professor jur. publ. et feud. bestellt wurde.

Im Jahre 1668 wurde er von dem Churfürsten Carl Ludwig von der Pfalz in einigen Angelegenheiten an den Herzog Christian Albrecht zu Holstein geschickt, bei dem er sich durch seine Gelehrsamkeit und Klugheit solche Achtung erwarb, daß dieser ihn 1669 zum Professor codicis auf die Universität Kiel berief. Bald nachher bekam er auch beim Domcapitel in Lübeck ein Canonicat und wurde sowohl beim Bischof zu Lübeck als auch bei den regierenden Herzögen zu Holstein: Christian Albrecht, Friedrich IV. und Carl Friedrich, Rath, sowie Curator der Universität Kiel, schleswig-holsteinischer Rathspräsident, Amtmann in Tremsbüttel, und Herr in Steinhorst, Tangstede, Meusling und Seegarten. 1683 wurde ihm sein Adel vom Kaiser erneuert. Als holsteinischer Gesandter befand er sich 1677 bei dem Nymwegen'schen, 1688 und 1689 bei dem Altonaschen und 1700 bei dem Travendal'schen Friedensschluß, wo er große Geschicklichkeit sehen ließ. Am 2. December 1691 verkaufte der Herzog Christian Albrecht das Amt Steinhorst für 70,000 Rthlr. in Species an M. von Wedderkop 1) mit Reservirung des Vorkaufsrechts und des

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1) Der Kaufbrief ist gedruckt: Gegen-Information Beilage Q.

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Wiedereinlösungsrechts auf 10 Jahre, aber mit Begebung der landesfürstlichen Hoheit und Obrigkeit, sowie Episcopalrechte, als eigenthümliches, unmittelbar reichsfreies, adliges Gut. 1) Am 3. November 1697 2) einigten Herzog Friedrich und M. v. Wedderkop sich dahin, daß Herzog Friedrich für sich und seine Erben auf das Wiedereinlösungsrecht verzichten und M. v. Wedderkop noch 30,000 Rthlr. in Species zahlen sollte; am selbigen Tage 3) verzichtete Herzog Friedrich noch auf das Wiedereinlösungsrecht, so daß ihm nur das Vorkaufsrecht verblieb. 4)

Unter dem Herzog Friedrich IV. von Holstein hatten von Wedderkop und dessen Schwager Pincier v. Königstein nur das Kriegswesen und die auswärtigen Angelegenheiten zu besorgen, da Friedrich IV. die innere Verwaltung und

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1) Zum Amt Steinhorst gehörten damals: Steinhorst, Linau, Sandesneben, Wentorf, Schiphorst, Lüchau, Labenz, Klinkrade (Klein-Klinkrade wurde erst 1774 Dorf), Stubben, Schürensöhlen, Boden, halb Duvensee und halb Siebenbäumen (die anderen Hälften von Duvensee und von Siebenbäumen gehörten zu Lübeck und kamen erst 1747 wieder an Lauenburg).
2) Abgedruckt: Gegen-Information Beilage S; siehe auch Schleswig-Holsteinische Anzeigen, Jahrgang 1806.
3) Der Revers ist gedruckt: Gegen-Information Beilage T.
4) In einer Convention zwischen Kurfürst Friedrich III. von Brandenburg und Herzog Friedrich zu Schleswig-Holstein vom Jahre 1697 (Westphal mon. ined. Tom. 4 coll. 3433 sqq.) heißt es:
Und weil 2. von einigen auch auf die dem Fürstl. Hause Gottorp angehörige beide Aemter Tremsbüttel und Steinhorst gewisse Ansprüche, und zwar ohne einigen Grund, gemacht werden wollen: so versprechen Se. Churfürstl. Durchlaucht zu Brandenburg, daß sie wider solche Prätensionen mit dem Fürstl. Hause Holstein, dero Erben und Nachkommen vor einem Mann stehen, und wenn Jhre Fürstl. Durchlaucht zu Holstein, dero Erben oder Nachkommen über kurz oder lang solcher beiden Aemter halber, wegen prätendirter Eviction oder sonst unter einigen andern Prätext beunruhigt werden sollten, Ihnen dawider wirkliche Assistenz leisten und sie bei der Possession und dem Eigenthum solcher beiden Aemter kräftig erhalten wollen.

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die Einkünfte seines Antheils an dem Lande dem Gouverneur v. Bergholz in Pacht übergab.

Als Friedrich IV. am 19. Juli 1702 in der Schlacht bei Klissow fiel, folgte ihm sein 2jähriger Sohn Carl Friedrich unter Vormundschaft seiner Mutter Hedwig Sophia und seines Onkels Christian August. Die Regierung führte der geheime Rath, zu dessen Mitgliedern v. Wedderkop und Georg Heinrich Freiherr v. Schlitz, genannt v. Görtz, gehörten. 1) v. Görtz war ein Mann von niedriger Gesinnung, schlau, ehr- und habsüchtig; er ging leichtsinnig mit den Staatsmitteln um, während v. Wedderkop auf Ordnung und Sparsamkeit hielt. Hierdurch entwickelte sich eine Spannung unter beiden, welche bei v. Görtz in tödtlichen Haß ausartete. Als v. Görtz schließlich nach dem Tode der Herzogin Hedwig Sophie das Uebergewicht erlangte, begab v. Wedderkop sich zu seiner Sicherheit nach Hamburg, ließ sich aber durch v. Görtz's freundliche Vorspiegelungen nach Schloß Gottorf locken, wo er am 20. December 1709 verhaftet, nach der Festung Tönning gebracht und seine Güter eingezogen wurden. Während v. Wedderkop in Tönning saß, wurde daselbst der schwedische General Steenbock von Russen, Sachsen und Dänen am 13. Februar 1713 eingeschlossen, nachdem der herzogliche Commandant von Tönning, Zacharias Wolf, dem Steenbock die Festung geöffnet hatte. Während der Belagerung sandte v. Görtz dem Commandanten Wolf den heimlichen Befehl zu, vor Uebergabe der Festung von Wedderkop enthaupten zu lassen. Der König Friedrich IV. von Dänemark erhielt jedoch Kunde hiervon, und ließ Wolf erklären, daß er ihn für v. Wedderkop's Leben verantwortlich machte. Am 7. Februar 1714 mußte Tönning in

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1) Falk, Sammlung der wichtigsten Abhandlungen aus den Schleswig-Holsteinischen Anzeigen, Band IV., Seite 326 und Falk, Sammlungen zur Kunde des Vaterlandes Band I., Seite 1 ff.
 

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Folge Mangels an Lebensmitteln sich ergeben und von Wedderkop wurde wieder in Freiheit und seine ehemaligen Würden eingesetzt und durch Acte vom 1. Juli 1719 1) verlieh der Herzog von Holstein v. Wedderkop und seinen Erben als Ersatz für das erlittene Unrecht das Amt Tremsbüttel zur Nutznießung auf 30 Jahre; sein Gegner v. Görtz trat in die Dienste des Königs Karl XII. von Schweden und wurde am 2. März 1719 enthauptet. Das Nähere siehe in "des Freiherrn v. Görtz gewissenlose Haushaltung" abgedruckt in Falks Sammlungen zur näheren Kunde des Vaterlandes. Bd. I. Seite 1. Unter einem Bilde des v. Wedderkop befinden sich folgende gedruckte Worte:
Illustrissimus et generosissimus dominus Magnus de Wedderkop dynasta hereditarius in Steinhorst, Moisling, Tangstaedt et Seegarten serenissimi Cimbrorum ducis regnantis primus status minister a sanctioribus et intimis consiliis praeses nec non consiliarius provincialis et gubernator Tremsbüttelensis Capituli Lubecensis canonicus. Natus Anno MDCXXXVII die XXVI. Octobris denatus anno MDCCXXI die XVI. Januarii.

Am 18. November 1717 cedirte M. v. Wedderkop sein Recht an Steinhorst seinem ältesten Sohn Gottfried v. Wedderkop unter der Bedingung, daß, so lange von ihm männliche Descendenten vorhanden, er nicht berechtigt sein sollte, es entweder ganz oder zum Theil zu verpfänden oder zu verkaufen, oder einige Schulden darauf zu machen, sondern daß es, so wie er es empfangen, allezeit auf seines und seines Bruders männliche Descendenten justa ordinem successionis legitimae verfallen solle. 2)

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1) Gedruckt: Gegen-Information, Beilage R. Schleswig-Holstein. Anzeigen von 1806.
2) Schleswig-Holsteinische Anzeigen von 1806. Die Cessionsacte ist abgedruckt: Gegen-Information, Beilage Y.

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M. v. Wedderkop, welcher am 16. Januar 1721 in Hamburg starb, war ein redlicher, leutseliger und erfahrener Mann, dessen Sparsamkeit fast an Geiz grenzte. Von letzterer Eigenschaft war sehr wenig auf seine Söhne übergegangen, denn dieselben werden als sehr verschwenderisch geschildert. Gottfried v. Wedderkop baute in den Jahren 1721 und 1722 das jetzige Amtshaus in Steinhorst, ein für damalige Verhältnisse gewiß sehr großartiges Gebäude, 34 Meter lang und 14 Meter breit, 2 Stockwerk hoch, mit großem Mansardendache. Das ganze Gebäude ruht auf eichenen Pfählen und hat das Fundament eine Dicke von 1 ½ Meter. Das Schloß war ringsum von einem 18 Meter breiten Graben umgeben, über welchen 2 Zugbrücken führten. Ueber der Gartenthür befinden sich folgende in Stein gehauene Worte:

Hoc saxae sedis domicilium binas inter S. R. imperii civitates liberas medium Gothofredus a Wedderkop dominus haereditarius in Steinhorst extrui curavit ao. r. MDCCXXII. Schon bei Lebzeiten des M. v. Wedderkop übertrugen dessen Söhne am 25. Febr. 1719 dem König von Dänemark aus Dankbarkeit für den ihrer Familie gewordenen Schutz das Anfallsrecht in Steinhorst nach Abgang des Mannesstammes. Als im Jahre 1736 1) die Untergehörigen von Steinhorst sich gegen die Gutsherrschaft auflehnten, erhielt dieselbe auf Bitten Hülfe vom König von Dänemark. Da jedoch Gottfried v. Wedderkop eine Menge Schulden contrahirt hatte, wurde zum Zweck der Regulirung derselben von dänischer Seite eine Commission niedergesetzt, um die eigenen Rechte zu sichern. Trotzdem unterhandelte Gottfried v. Wedderkop im Jahre 1737 mit dem Churfürsten von Braunschweig-Lüneburg (König Georg II. von England) wegen Ueberlassung von Steinhorst,

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1) Schleswig-Holst. Anzeigen von 1806.

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und der Herzog Carl Friedrich von Holstein übertrug am 13. Juni 1738 1) sein Vorkaufsrecht an Georg II. für 53,000 Rthlr. In Folge dessen ließ der König von Dänemark das Schloß in Steinhorst durch 26 Mann dänischer Reiter am 24. November unter dem Capitän Christian besetzen um seine Rechte zu wahren und den Gottfried v. Wedderkop zu arretiren. Dieser hatte sich jedoch rechtzeitig entfernt. Nachdem das dänische Commando einige Zeit auf Steinhorst gewesen, bemerkte der Gärtner 2), welcher Gemüse aus dem Garten holen wollte, ungefähr 300 Mann hannoversche Truppen auf dem Damm am hohlen Moor. Er machte sofort von seiner Wahrnehmung Mittheilung und es wurden auf Steinhorst Anstalten zur Vertheidigung getroffen, die Zugbrücken aufgezogen und um Succurs nach Oldesloe geschickt. Bei der Ankunft der Hannoveraner vor Steinhorst rückten die Dänen auf den Platz vor dem Hause. Die Hannoveraner rissen jedoch die vordere Zugbrücke mit Feuerhaken, die sie aus Sandesneben mitgebracht, nieder. Jetzt ging der hannoversche Oberst v. Maydell 3) in Begleitung eines Majors und eines Lieutenants über die Brücke nach dem inneren Hof und suchte den Capitän Christian zur Capitulation zu bereden. Christian wies mit den Worten "für meinen König lasse ich mein Leben" alle Anträge zurück und zeigte auch seine

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1) Der Vergleich ist auszugsweise abgedruckt in der Chur-Braunschweigischen Information, d. d. Hannover, den 16. December 1738. Linsen, Gesetz-Sammlung Bd. III. a Nr. 117.
2) Nachstehendes beruht auf einer Aussage des am 17. Januar 1828 im Alter von 96 Jahren und 2 Monaten verstorbenen Altentheilers Dühren zu Schiphorst, dem diese Nachrichten von seinem Vater mitgetheilt, welcher über 70 Jahr alt geworden, 1730 geheirathet und den alten Geheimen Rath v. Wedderkop gut gekannt hat. Siehe auch Ausführung § 58.
3) Heißt in gedruckten Werken „von Maider“ und „Möhder“. (Ausführung § 58).

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Ordre vor, daß er sich nicht ergeben solle. Hierdurch entstand Streit und wurde Christian, nachdem er vorher den hannoverschen Lieutenant verwundet, mit dem Degen niedergestoßen, rief jedoch, auf der Erde liegend, seinen Leuten noch zu, sich zu vertheidigen. Hierauf wurde die Schildwache an der Brücke aufgefordert sich zu ergeben, dieselbe erwiderte, "ich trete nicht von meinem Posten", feuerte ihr Gewehr auf die Hannoveraner ab und wurde gleich darauf niedergeschossen. Die Dänen zogen sich in das Haus zurück, und schossen so lange aus den Fenstern (von 10 Uhr Morgens an) bis ihnen die Munition ausging. Die Hannoveraner hatten Kanonen, sog. Feldschlangen, bei sich, wie dies die jetzt noch vorhandenen Spuren an dem Hause zeigen (eine Kugel hat den über der Hausthür im v. Wedderkop'schen Wappen befindlichen Löwen am rechten Vorderfuß getroffen). Als die Dänen sich verschossen hatten, öffnete der sie befehlende Wachtmeister die Hausthür, warf seinen Pallasch hinaus und damit war Friede. Die Dänen hatten außer dem Capitän Christian nur den auf dem Posten erschossenen Reiter verloren. Der Verlust der Hannoveraner soll, nach der für die Todten gegrabenen Grube, ansehnlich gewesen sein; der verwundete hannoversche Lieutenant wurde zu Pferde nach Ratzeburg gebracht und das dänische Commando rückte Nachmittags mit seinen Pferden, Waffen und den beiden Todten ab.

Der aus Oldesloe erwartete Succurs, etwa 150 Mann stark, traf Nachmittags in der Gegend von Boden ein, kehrte jedoch, als der dortige Holzvogt Peters ihnen die Lage der Sache gemeldet, wieder um. Abends rückte der Brigadier Suberon mit 700 Mann, von Lüneburg kommend, in Schiphorst ein, weitere Truppen folgten und alle Dörfer wurden besetzt. In Sandesneben hatte der General Sommerfeld sein Quartier. Am hohlen Moor steckten die Hannoveraner für den Fall eines Angriffes

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vorläufig ein Lager ab. Kurz vor Ostern rückten erst die Hannoveraner wieder ab.

Der Bericht des Capitän Borns über die Einnahme von Steinhorst lautet folgendermaßen: (Das Manuscript befindet sich auf der Kieler Universitätsbibliothek.)

Extract
des Herrn Capitain Borns an des Herrn Generallieutenant von Guold Excell. ergangenen Berichts de dato Oldeslohe, den 15. Dec. h. a.

Ein wenig nach 9 Uhr Morgens als den 14. d. habe der commandirende Wachtmeister einen Trupp Infanterie in rother Mundirung erblickt und da er den Capitain davon rapport gegeben, habe dieser sich mit ihm vom Zimmer an der aufgezogenen Brücke begeben, auch gleich wahrgenommen, daß der ankommende Haufe hannoversche Truppen wären.

Er, der Capitain, habe seine Leute sogleich in Ordnung gebracht, einen Unteroffizier mit 10 Mann an der hintern Brücke gesetzt, er selbst aber sei mit dem Ueberrest an der vordern Brücke geblieben. Worauf er nach gemachter dieser disposition ihm den Wachtmeister befohlen, den Ankommenden entgegenzugehen und zu fragen, wer sie wären und wohin sie wollten. Der commandirende Obrister Möder hatte ihm in Antwort erwidert, sie wären von Ihrer Majestät Großbrittannien Truppen und beordnet von Steinhorst possession zu nehmen. Sie kämen als Freunde, und verlangten den commandirenden Chef zu sprechen, welches er dem Capitän Christian referiret, und der auch mit Zuziehung seiner des Wachtmeisters über ein Brett, welches an der Seite der aufgezogenen Brücke überschoben gewesen, dem Obristen Möder entgegengegangen; besagter dieser Obrist hatte dem Kapitain Christian dasjenige wiederholt, welches er dem Wachtmeister bereits selbsten in Antwort empfangen, jedoch mit fernerem Zufügen,

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daß der Herr Obrister eine schriftliche Ordre von seinem Könige hervorgezogen, und dem Capitain Christian vorgelesen, hiernächst angezeigt, daß er nach Einhalt solcher die possession nehmen müsse, daher der Capitain Christian sich bequemen werde, die Zugbrücke öffnen zu lassen und in der Güte abzuziehen. Der Capitain hatte dem erwidert, daß er dazu keine Ordre habe, vielmehr gesonnen wäre, sich bei seiner Possession zu mainteniren, er müsse erwarten, ob sie Gewalt brauchen würden. -

Der Capitain sei hierauf mit ihm auf dem Schlosse zurückgegangen, habe einen Corporal mit der Königl. Ordre sowohl an den Herrn Capitain de Ahlefeldt als auch an mir abgesandt, das Brett an sich gezogen, seine Leute nach gemachter disposition postiret, und 2 Mann mit Haken an die Brücke gestellt, um der gegenseitigen ihre damit herabzustoßen. Gleich hierauf wären die Hannoveraner angerückt, ihre großen Haken an die Zugbrücke angeworfen, mittelst der vielen daran hangenden Seilen durch die viele Mannschaft selbige niedergerissen, und mit hellen Haufen mit Gewehr hoch zum Schlosse eingedrungen. -

Der Capitain Christian hätte, nachdem er das Feuergeben ernstlich verboten, dieser Gewalt mittelst aufgesteckter Bajonette wahren wollen, allein der andrängende Haufe wäre ihm sowohl übermächtig gewesen, als auch daß sie heftig mit Espondons und kurz-Gewehren auch mit Flintenkolben stets geschlagen und gestoßen, und nachdem Capitain Christian mit dem Degen gestoßen worden, habe er endlich gerufen und befohlen, Feuer zu geben, welcher Ordre die Dragoner gelebet und, so geschwind sie fertig werden können, gefeuert, wodurch denn der Adjutant mit 6 Gemeinen todt geschossen, ein Lieutenant aber mit 12 Mann blessiret worden. -

Wohingegen unserer Seiten, wie ich eben die Ehre gehabt Ew. Excellenz unterthänig zu melden, der Capitain

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Christian nebst 1 Dragoner todt geblieben, 2 Dragoner aber beschädigt worden. -

Alles dieses ist nun auf der Brücke vor dem Schlosse geschehen, und haben unsere Dragoner nicht einmal den blessirten Capitain wegen gewaltiger Nachdrängung der Hannoveraner mit sich schleppen können, sondern haben denselben unter den Füßen auf der Brücke liegen lassen müssen, bis das ganze Schloß occupiret, die Dragoner disarmiret und als Gefangene in ein Zimmer getrieben worden, wonächst er, der Capitän, erst aufgehoben, und endlich gegen 12 Uhr verschieden. -

Wie groß die Anzahl der hannover'schen Truppen in dem Steinhorst sind, kann nicht positiv determiniren, soviel aber die zuverlässigen Nachrichten ergeben, so ist das attaquirende Corps 5 bis 600 Mann stark gewesen, und zu diesen sind des Wachtmeisters Angabe nach während seiner determinirung 6 Compagnien Infanterie gestoßen, denen noch ein Oberstlieutenant mit Kavallerie diesen Abend folget.


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Dieser Vorfall hätte beinahe ernstliche Verwickelungen zur Folge gehabt, indeß schlossen Dänemark und der Churfürst von Hannover einen Vergleich vom 5. März 1739 dahin 1), daß, falls eine gütliche Vereinbarung darüber nicht würde stattfinden können, alsdann diese Sache zu einer compromissarischen oder richterlichen Entscheidung heimgegeben werden solle, nachdem vorher bemerkt worden, daß der gewaltsame Vorgang auf Steinhorst nur aus Mißverstand und zufälligen Umständen wider die beiderseitigen Neigungen geschehen sei.

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1) Büschings Magazin für die neue Historie und Geographie, Theil 8 Seite 273 ff.

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V. Steinhorst zu Hannover gehörend 1739-1814.
 

Am 8. December 1738 erschien das Patent 1) des Königs und Churfürsten Georg II. wegen Wiedervereinigung des Amts Steinhorst mit dem Herzogthum Lauenburg, am 5. März 1739 wurde alsdann das Amt an Georg II. gegen 70,000 Gulden abgetreten und am 4. August in Besitz genommen, indem Gottfried v. Wedderkop in Folge des am 12. December 1737 abgeschlossenen Vertrages seinen Rechten entsagte.

Durch Vergleich vom 4. Februar 1747 zwischen Georg II. und der freien Reichsstadt Lübeck wurden halb Siebenbäumen und halb Duvensee von Lübeck abgetreten und mit dem Amte Steinhorst vereinigt 2) und vom 1. Mai 1775 3) an wurde die Vogtei Schönberg, bestehend aus den bis 1814 vereinigten beiden Dörfern Schönberg und Franzdorf, vom Amt Schwarzenbek, zu welchem sie bisher gehört, abgetrennt und nach Steinhorst verlegt. Seit dieser Zeit hat das Amt Steinhorst keine Veränderung erlitten und ist von den Verwickelungen in Deutschland verschont geblieben, bis dasselbe in Folge der französischen Revolution unter der Einquartierung der französischen Truppen und deren Requisitionen stark zu leiden hatte. Nach Erlaß des Patents des Königs Friedrich Wilhelm III. von Preußen vom 27. Januar 1806, 4) wurden die deutschen Staaten des Churhauses Braunschweig-Lüneburg von preußischen Truppen besetzt und in Administration genommen, dann aber in Folge einer mit Napoleon abgeschlossenen Convention durch Patent vom 1. April 1806 in Preußen kraft

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1) Linsen’sche Gesetzsammlung Band IIIa Nr. 117.
2) Tit. I Nr. 3.
3) Tit. I Nr. 4.
4) Tit. I Nr. 5.

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Eroberungsrechts einverleibt und am 4. Mai 1806 erfolgte durch den Kammergerichtsrath Sack, Namens Preußens, die Besitzergreifung des Amts Steinhorst. Dieser Zustand dauerte jedoch nicht lange, denn bereits im Sommer 1806 1) erfolgte durch den König von Schweden Besitznahme des Herzogthums Sachsen-Lauenburg Namens des Churfürsten von Braunschweig-Lüneburg und wurde die frühere Verfassung in Lauenburg völlig wieder hergestellt.

Am 11. März 1810 wurden die hannoverschen Staaten dem 1807 gegründeten Königreich Westphalen einverleibt, jedoch ohne das Herzogthum Lauenburg, welches bis auf Weiteres dem Kaiser Napoleon reservirt wurde, nachdem es von demselben am 21. December 1808 in Besitz genommen. Lauenburg wurde seit März 1810 von einer speciellen Gouvernements-Commission zu Lauenburg verwaltet.

Ende 1810 wurde der Canton Steinhorst eingerichtet, er umfaßte folgende 5 Mairien 1):
1. KASTORF (Rothenhausen, Schenkenberg, Grinau, Kastorf, Bliestorf, Klein-Klinkrade
    und Siebenbäumen).
2. STEINHORST (Steinhorst, Schürensöhlen, Boden, Labenz, Stubben, Schiphorst).
3. LINLAU (Kühsen, Poggensee, Nusse, Koberg, Ritzerau, Bergrade, Linau).
4. SCHÖNBERG (Schönberg, Lüchow, Wentorf, Sirksfelde, Sandesneben, Franzdorf).
5. RONDESHAGEN (Rondeshagen, Sirksrade, Düchelsdorf, Göldenitz, Gr. Klinkrade, Duvensee, Niendorf).

Für jede Mairie wurden 1 Maire, 1 Adjoint und 10 Municipalitäts-Mitglieder bestellt.

Der Canton Steinhorst stand zunächst unter dem provisorischen Unterpräfect des Arrondissements Lüneburg

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1) Tit. I Nr. 6.

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und seit Ende 1811 unter dem Unterpräfect des Arrondissements Lüneburg, welches zum Departement der Elbmündungen gehörte.

Nach dem unglücklichen Feldzuge Napoleons gegen Rußland im Jahre 1812 brach am 24. Februar 1813 in Hamburg ein Volksaufstand gegen die Franzosen aus und verließen in Folge dessen die französischen Truppen am 27. Februar das Amt Steinhorst, 1) nachdem sie auch aus Lübeck vertrieben waren.

Mitte März übernahm die Churfürstlich Braunschw.-Lüneburgische Regierung zu Ratzeburg im Auftrage des russischen Generals von Tettenborn, welcher am 18. März seinen Einzug in Hamburg hielt, wieder die Verwaltung des Landes. Von Hamburg aus erließ Tettenborn am 19. März folgenden Aufruf an die Lauenburger:

Bewohner des Herzogthums! Der Jubel, womit ihr die Russischen Truppen in eure Mitte aufgenommen habt, und die Bereitwilligkeit, womit sich schon einige Gemeinden unter euch bewaffnet haben, um die Feinde abzuwehren, bürgen meinem erhabenen Monarchen für die Richtigkeit eurer Gesinnungen und für euren kräftigen Willen, daß das Werk der Rettung Deutschlands nicht ohne euch vollbracht werde. Doch ihr Lauenburger, eure Anstrengungen müssen allgemein sein und mit Weisheit geleitet werden, um Nutzen zu bringen. Auf denn also zu den Waffen jeder, der sich wehrhaft fühlt, wie eure Brüder im Osten und Norden euch bereits das Beispiel geben, und Gut und Blut in die Freiheit gesetzt. Ihr werdet Anführer erhalten, die euch unter euren eigenen Fahnen zu Sieg und Ruhm führen werden.

Am 1. September 1813 wurde die hiesige Gegend wieder von den französischen Truppen besetzt, am 30. November

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1) Tit. I Nr. 7.

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rückte das letzte Detachement vom 111. Infanterie-Regiment, unter Commando des Lieutenants Pesaro, nach Bergedorf und am 2. Decbr. zog ein Detachement Dänen von 120 Mann mit etwas Kavallerie in Steinhorst ein und besetzte den Redder nach Labenz, wo das 1. Husaren-Regiment der Russisch-Deutschen Legion, von Sandesneben kommend, die Dänen angriff, in Folge dessen sich die Dänen nach Boden zurückzogen und die Husaren die Dörfer des Amts Steinhorst besetzten. Am 4. December zogen sich, auf die Morgens eingehende Nachricht, daß die Dänen über Mühlenbroock mit Infanterie vorrückten, die Husaren gegen Labenz zurück. Die dänischen Scharfschützen besetzten Steinhorst. Mittags entwickelte sich ein Vorpostengefecht in dem Redder nach Labenz und bald darauf zogen sich die Dänen zurück vor der anrückenden Infanterie der Alliirten vom Dörnberg'schen Korps, bestehend aus dem Lüneburgischen, Dessau'schen, Bremen'schen Bataillon und einem Bataillon der russisch-deutschen Legion, die sämmtlich im Sturmschritt vordrangen, unter fortwährendem Feuern, so daß viele Häuser in Steinhorst von den Kugeln getroffen wurden. Nachmittags kam es bei Boden zum scharfen Gefechte, bis schließlich die Dänen sich zurückziehen mußten. Die im Hause des Käthners Möller zu Boden gefundenen durch das Dach geschlagenen Flintenkugeln sollen 28 Pfund Blei gewogen haben. Von den bei Boden verwundeten Alliirten, unter denen sich der Major von Burgsdorff vom Bremen'schen Bataillon befand, wurden 40-50 Mann nach Steinhorst transportirt, 6-7 Mann starben und wurden im Garten des Hausvogts (jetzt Steuerempfängers) beerdigt.

Am 6. December rückten die Husaren der russisch-deutschen Legion und das am 4. December eingerückte Englische 3. Husaren-Regiment aus Steinhorst ab.

Durch dieses Gefecht hatte die französische Herrschaft im Amt Steinhorst ihr Ende erreicht, die Folgen blieben

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aber noch lange fühlbar, denn für die feindlichen Armeen in der letzten Zeit gelieferte Quantitäten an Fourage, Lebensmitteln u. s. w. beliefen sich für das Amt Steinhorst auf wöchentlich über 16,000 Thlr. Durch die Requisitionen an Korn waren die Kornvorräthe in einzelnen Dörfern so vermindert, daß dieselben das zu liefernde Korn in den Holsteinischen Gegenden kaufen mußten. Der Bestand an Hornvieh war in einzelnen Orten bis auf 1/3 und ¼ vermindert. Auf Steinhorst und Mühlenbrook waren von 250 Holländerkühen nur 38 geblieben. In manchen Dörfern war kein Pferd mehr vorhanden.

Am 18. December wurde die frühere Verfassung wieder hergestellt und trat die Lauenburgische Regierung wieder in Activität. Gleich darauf wurde der Herzog von Cambridge zum General-Militär-Gouverneur der hannoverschen Lande ernannt 1).


VI. Steinhorst ein Theil der dänischen Monarchie 1814-1864.
 

Durch den am 14. Januar 1814 zu Kiel abgeschlossenen Frieden wurde Schwedisch-Pommern nebst Rügen an Dänemark abgetreten, von diesem jedoch nicht in Besitz genommen, sondern durch Verträge mit Preußen und Hannover vom 29. Mai und 23. September 1815 an Preußen abgetreten 2), wofür das jetzige Herzogthum Lauenburg an Dänemark fiel und nachdem der Prinz-Regent von Hannover am 16. Juli 1816 ein Patent wegen Uebergabe Lauenburgs erlassen, am 27. Juli 1816 an Dänemark übergeben. Am 2. October erfolgte die Erbhuldigung; die Schleswig-Holsteinische Kanzelei wurde am 2. August in die Benennung Königl. Schleswig-Holstein-Lauenburgische Kanzelei umgeändert.

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1) Tit. I Nr. 7.
2) Tit. I Nr. 8.

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Am 15. August 1817 kam König Friedrich VI. nebst Gemahlin und den Prinzessinnen Caroline und Wilhelmine auf der Reise von Oldesloe nach Ratzeburg durch das Amt Steinhorst 1), hielt sich aber nur eine kurze Zeit (zum Frühstück) im Amtshaus zu Steinhorst auf.

Unter dänischer Herrschaft hat das hiesige Land viele Jahre der Ruhe genossen, denn auch die Bewegung des Jahres 1848 berührte Lauenburg wenig, nur daß der damalige Amtmann Prehn in Steinhorst 2), welchem, wohl irrthümlich, dänische Gesinnung vorgeworfen wurde, auf Wunsch verschiedener Amtseingesessener, welche in das Amtshaus kamen, um die Freilassung des nach Ratzeburg abgeführten Amtsexecutors Martensen zu verlangen, sein Amt am 17. April 1848 freiwillig niederlegte und Amtmann v. Levetzow das Amt verwaltete. Bald darauf wurden in Folge des Gerüchts, daß sich in den angrenzenden Holsteinischen Districten räuberisches Gesindel zeige, die Einwohner des Amts Steinhorst bewaffnet und Wachtdienst organisirt. Die Bewaffneten haben jedoch keine Gelegenheit gehabt gegen das Gesindel einzuschreiten. Auf Aufforderung des Oberbefehlshabers des 10. deutschen Armeecorps Generals von Wrangel d. d. Kolding 6. Mai 1848 3), mußten alle Lauenburgische Mannschaften der Jahrgänge 1842-1847 sich in Rendsburg stellen, jedoch durch Befehl des Reichskriegsministeriums vom 23. August 1848 wurde angeordnet, daß Lauenburg sein besonderes und getrenntes Contingent auszubilden und zu halten habe, welches in Ratzeburg gebildet wurde, nachdem in der Zeit vom 2.-14. Juli einige 60 Mann des Hannoverschen Infanterie-Regiments zur Aufrechthaltung der Ruhe in Sandesneben einquartiert gewesen waren.

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1) Tit. I Nr. 10.
2) Tit. IV Nr. 2.
3) Tit. IIIb Nr. 4.

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Auch der Tod des Königs Friedrich VII. von Dänemark rief hier keine Bewegung hervor 1), da die Amts-Eingesessenen sich unter der Herrschaft des dänischen Scepters wohl fühlten, auch die in Schleswig-Holstein ausgebrochene Erregung ging spurlos an den Steinhorster Eingesessenen vorüber.

Auf Grund des Bundesschlusses vom 7. December 1863 übernahmen der Königl. Sächsische Kreisdirector v. Könneritz und der Königl. Hannoversche Geheime Regierungsrath Nieper als Bundescommission die Verwaltung der Herzogthümer Holstein und Lauenburg, welche am 23. December von Büchen aus die Bekanntmachung erließen 2).

Im Januar 1864 3) zogen verschiedene Preußische Truppen durch das Amt, doch machte auch dieses keinen Eindruck, weil die Einwohner sich für die Schleswig-Holsteinischen Angelegenheiten wenig interessirten, vielmehr suchten sie sich von ihren Holsteinischen Grenznachbarn möglichst fern zu halten.

Durch den Wiener Friedensschluß vom 30. October 1864 zwischen Oesterreich, Preußen und Dänemark wurden die Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg an Oesterreich und Preußen abgetreten 4) und in Folge Bundes-beschlusses vom 5. December legten v. Könneritz und Nieper die Verwaltung nieder 5).


VII. Steinhorst unter Preußen seit 1865.
 

Durch Vereinbarung zwischen Oesterreich und Preußen vom 14. August 1865 6) wurde Lauenburg an Preußen abgetreten

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1) Tit. I Nr. 9.
2) Offizielles Wochenblatt von 1863 Nr. 38.
3) Tit. I Nr. 9.
4) Offizielles Wochenblatt von 1864 Nr. 40.
5) Offizielles Wochenblatt von 1864 Nr. 40.
6) Offizielles Wochenblatt von 1865 Nr. 6.

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und durch die Convention d. d. Gastein, den 14. August 1865/Salzburg, den 20. August 1865 Art. 9 1) überließ Oesterreich seine Rechte auf das Herzogthum Lauenburg an Preußen gegen Entrichtung von 2,500,000 dänischen Thalern. Die Besitzergreifung erfolgte am 15. September 1865 zu Ratzeburg 2) (Patent vom 13. September 1865) und am 25. September 3) nahm Se. Majestät König Wilhelm die Erbhuldigung in Ratzeburg entgegen 4). Durch Gesetz vom 23. Juni 1876 5) wurde dann das Herzogthum Lauenburg mit der Preußischen Monarchie vereinigt.

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1) Offizielles Wochenblatt von 1865 Nr. 19 und 22.
2) Offizielles Wochenblatt von 1865 Nr. 20.
3) Offizielles Wochenblatt von 1865 Nr. 22.
4) Offizielles Wochenblatt von 1865 Nr. 23.
5) Preuß. Gesetz-Sammlung 1876 Seite 169.
 

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