Jahresband 1884

Archiv des Vereins für die
Geschichte des Herzogthums Lauenburg
 


 

Die Devisen, Wahl- und Sinnsprüche der
Herzöge von Lauenburg askanischen Stammes.

Zusammengestellt von Max Schmidt.

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Bereits im Mittelalter, ganz besonders aber nach der Reformation finden wir bei den Personen der höheren Stände und der Gelehrten-Welt eine Spruchpoesie entwickelt, die sich in Wahlsprüchen oder Mottos, Sinnsprüchen und Devisen kennzeichnet und durch zahlreiche Denkmäler, und zwar in erster Linie durch Stammbücher und Denkmünzen überliefert worden ist. *)

Der Wahlspruch (italienisch: Motto) ist kurz und anregend, er drückt die selbstgewählte Norm des eigenen Denkens und Handelns desjenigen, der ihn führt, aus.

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*) Auf deutschen Münzen finden sich fromme Sprüche schon im Mittelalter beim Entstehen der Wappen, welche letztere wir der Zeit der Kreuzzüge verdanken. Die Annahme von Sprüchen weist auf den Orient, wo schon die frühesten mohamedanischen Münzen mit Sprüchen versehen sind.
In bezug auf benachbarte Münzen, die früher im Herzogthum Lauenburg coursirten, finden wir auf den hamburgischen: benedictus deus, auf den lübischen: crux fugar omne malum, auf den lüneburgischen: sit laus deo patri.
 

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Gleichbedeutend mit ihm ist das griechische Symbolum, falls der Träger desselben nach seinem Denken und Verhalten daran erkannt sein will.

Der Sinnspruch hingegen ist umfangreicher und auch wohl belehrender als der Wahlspruch, ihm mangelt im allgemeinen die Selbständigkeit, die den Wahlspruch auszeichnet.

Die Devise tritt hauptsächlich nur in Verbindung mit einem Sinnbilde, dasselbe gleichsam deutend auf, oder steht in Beziehung zu einer That oder Begebenheit; sie ist kurz und kernig und erscheint deßhalb vorzugsweise auf fliegenden Bändern, ober- oder unterhalb der Wappenschilde, so z. B.: Suum cuique, Gott mit uns, dieu mon droit etc. etc.

Wahl- und Sinnsprüche lauenburgischer Herzöge finden wir erst mit Beginn des 16. Jahrhunderts; allerdings treten sie bei anderen deutschen Fürsten vereinzelt schon früher auf, aber erst der Renaissance- und Reformationszeit war es vorbehalten, den blütenreichen Lenz dieser poetischen Geistesthätigkeit erweckt zu haben.

Die in Nachfolgendem aufgeführten Motto’s u.s.w. der alten lauenburgischen Fürsten finden sich oft nur durch Anfangsbuchstaben z. B. D. P. V. (dura pati virtus) ausgedrückt, welche Verkürzung allgemein beliebt war, der Nachwelt aber die richtige Auflösung des betr. Wahlspruches schwer macht. Die hier auftretenden Abkürzungen sind sämmtlich vervollständigt, was allerdings nur auf Grund längerer Beschäftigung mit diesem Thema und geschichtlicher Untersuchungen ermöglicht wurde.

Von den nachfolgenden Sprüchen sind die mit einem * bezeichneten dem Stammbuche des David von Mandelsloh, das sich auf der Lübecker Stadtbibliothek befindet, entnommen.

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Die Stammbücher sind, wie bereits gesagt, als Hauptüberlieferer der Sinn- und Wahlsprüche vergangener Zeiten zu betrachten, und für uns außerdem noch merkwürdig als Sammlungen von Autographen berühmter Personen. Fast jeder junge Edelmann oder Student führte ein Stammbuch, das, neben dem Zwecke, ein Denkmal der Freundschaft zu sein, auch insofern noch von praktischem Nutzen für den Besitzer war, als es ihm auf seinen Reisen nicht nur zur Legitimation diente, sondern auch dem Fremdling gar leicht die Thüren gleichgesinnter Menschen öffnete und ihm fern der Heimath eine freundliche Aufnahme bei denen bereitete, die in dem Buche Einzeichnungen bekannter Familien oder ihnen nahestehender oder geschätzter und berühmter Personen fanden. In unserem Jahrhundert ist das Stammbuchwesen leider mehr und mehr in Spielerei oder übel angebrachte Sentimentalität ausgeartet und hat schließlich dem Photographie-Album weichen müssen. Die alten Stammbücher sind übrigens oft wegen ihrer künstlerischen Beigaben namentlich an kostbaren Wappenmalereien hochgeschätzt, und zu diesen ist auch das bereits erwähnte Mandelslohesche, welches eine Fülle von hervorragenden fürstlichen Autographen und schön ausgeführten Wappen-darstellungen enthält, zu rechnen.
 

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MAGNUS
regierender Herzog von 1507-1543,
Sohn des Herzogs Johann IV.

Crucis signum vincat
(Des Kreuzes Zeichen wird siegen).

Crux salus nostra
(Das Kreuz ist unser Heil).

Beide als Inschriften für Münzen bestimmt.

 

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FRANZ I. 1543-1581.
Sohn des Herzogs Magnus I.
Dieser geistig nicht besonders veranlagte Herr scheint uns
keinen Wahlspruch hinterlassen zu haben, wenigstens habe
ich darüber nicht die geringste Andeutung finden können.



DOROTHEA,
Tochter des Herzogs Magnus I., geb. 1511, verheirathet an König
Christian III. von Dänemark,
8. Novbr. 1571.
Alles van Gott
auf einer goldenen Medaille vom Jahre 1560.





FRANZ II.,
regierender Herzog vom Jahre 1581-1619,
ein Sohn Franz I., geb. 10. August 1547,
2. Juli 1619.

H. G. A. A. N. H. V. D.
(Hilf Gott aus aller Noth hier und dort)
auf dem Spruchbande eines Wappensiegels.
PROPITIO DEO SECVRVS AGO
(Wenn Gott mir gnädig, kann ich ruhig sein);
auf allen größeren Münzen und Medaillen erscheint dieser Wahlspruch.




* MARIA,
älteste Tochter Franz II., geb. 18. Februar 1576,
13. März 1625.

HR : MD : DG :
(Herr regiere mich durch Deine Gnade, oder Deine Güte) 1)




AUGUSTUS,
regierender Herzog von 1619-1656,
Sohn Franz II., geb. 17. Februar 1577,
18. Januar 1656.
A. G. S. I. A. G.
(An Gottes Segen ist alles gelegen)
auf Thalern des Jahres 1624.
 

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1) Doch ist es fraglich, ob diesen Spruch die Tochter Franz II. oder eine Prinzessin gleichen Namens aus obersächsischem Hause geführt hat.

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DVRA PATI VIRTVS
(Schweres still erdulden ist eine Tugend)
auf größeren Münzen und Medaillen.

Dura pati virtus: vincit Patentia dura
(Hartes ruhig ertragen ist eine Tugend: die Geduld besiegt das Schwere)
auf einem Stammbuchblatte dessen Copie sich im Lübecker
Archive befindet.
Auf einem anderen Stammbuchblatte kommt der Spruch
auch so ausgeschrieben vor:
Durum patientia vincit.

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* X. 1 6 1 1. X.
D. P. V.
Jsidorus.
Magna est virtus, si non laedas, a quo laesus es,
magna est etiam fortitudo, si etiam laesus permittas,
magna est gloria, si cui potuisti nocere parcas.

Augustus dux Saxoniae Angariae
et Westphaliae scribebat Neuvenhaus
die 28. Aprilis Anno 1611.
 

(Dessen Tugend ist groß, der nicht Böses mit Bösem vergilt, groß ist auch die Seelenstärke des, der vergiebt, wo er verletzt ist; groß ist dessen Ruhm, der da schont wo er schaden kann. AUGUST, Herzog zu Sachsen, Engern und Westphalen schrieb dies auf dem Schlosse Neuhaus [an der Elbe, früher noch lauenburgisch] am 28. April 1611.)



ELISABETH,

erste Gemahlin des Augustus, geborene Herzogin zu Schleswig-Holstein,
geb. 12. October 1599,
25. November 1627.

MEIN HOFFNUNG ZU GOTT ALLEIN.
Spruch am Herzoglichen Kirchen-Stuhle in der Domkirche
zu Ratzeburg.


CATHARINA,
zweite Gemahlin des Augustus, geborene Gräfin zu Oldenburg und
Delmenhorst, geb. 20. September 1582,
29. Februar 1644.
 

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GOTTES HANDT MEIN BEISTANT.
Spruch am Herzoglichen Kirchen-Stuhle in der Domkirche
zu Ratzeburg.



FRANZ JULIUS,
der vierte Sohn des Herzogs Franz II., geb. 13. September 1584,
28. September 1634.

Tübingen 1602.
W. S. M. V.
Spes mea sola in deum.
(Was schadet mir Unglück?
Mein Hoffnung allein auf Gott.)
aus einem Stammbuche.

* 1611. Amor con tados, y la fe con ninguno.
(Liebe mit Gefühl und Vertrauen zu Niemand.)
1612. Ach Gott hilf mir, ist es Dein Wille.
(aus dem Stammbuche der Herzogin Anna von Mecklenburg,
Wittwe des Herzogs Ulrich).




JULIUS HEINRICH,
der fünfte Sohn Franz II., geb. 9. April 1586,
10. Novbr. 1665,
regierender Herzog von 1656-1665.

* 1611. Omne solum forti patria est ut
piscibus aequor.
(Jeder Boden ist dem Tapfern Vaterland, wie den Fischen jedes Meer).

Courtois à tous familier à poi
Tout pour elle
Et rien sens elle. 5. 8. 3.

(Höflich gegen Jedermann, zu Wenigen vertraut.
Alles für sie, nichts ohne sie.)

[Die Zahlen 5. 8. 3. bedeuten wahrscheinlich ein Citat.]

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Allen gefallen ist unmöglich.
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Allen hübschen Damen Serviteur.

 

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Vive l’amour et la geure (guerre).
(Es lebe die Liebe und der Krieg.)
Auf Münzen und Medaillen kommt noch vor:
1626. Ich wags Gott walts.
sowie das schon erwähnte:
Omne solum forti patria.



ERNST LUDWIG,
sechster Sohn Franz II., geb. 7. Juli 1587, erschlagen bei Linz a. D. 1620.
* 1611. Pro patria et in patria mori praeclarum.
(Auch im Vaterland zu sterben für’s Vaterland ist ehrenvoll).



JOACHIM SIGISMUND,
siebenter Sohn Franz II., geb. 31. Mai 1592, Todesjahr unbekannt.
* MDCXII.
Homo proponit
Deus disponit.

(Der Mensch denkt, Gott lenkt.)



FRANZ CARL,
achter Sohn Franz II., geb. 2. Mai 1594,
1669.
Que signoreggia amore jui non si cognosce errore
cacy amor.

-?-  -?-  -?-  -?-  -?-

Auf einem Stammbuchblatt, dessen Copie auf dem Lübecker
Archive aufbewahrt wird.

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1608. Fortissimus clypeus dominus.
(Der Herr ist der stärkste Schild.)
Aus dem Stammbuche des Heinrich von Reichenbach
(1607-1611).


* Franciscus Carlus, Dux Sax. Angar. et West.
1613. Fiet cum Deo.
(Es geschehe mit Gott.)

 

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RUDOLPH MAXIMILIAN,
neunter Sohn Franz II., geb. 19. Juli 1596,
1. Oktober 1647.
* Rudolphus Maximilianus, Dux Sax. Angar. et. West.
7. Juni 1613
Rupes mea Dominus
(Gott ist mein Felsen.)

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En tout mal esperance.
(Bei allem Unglück gibt es Hoffnung.)
auf einer Medaille v. J. 1628.

Les temps tempere le temp.
(Die Zeit mildert den Sturm.)
auf einer Medaille.


FRANZ ALBRECHT,
zehnter Sohn Franz II., geb. 31. October 1598,
21. Mai 1642,
galt lange Zeit als der Mörder Gustav Adolfs, in dessen Nähe er
in der Schlacht bei Lützen war.
In seinem Besitze befand sich das kostbare, weltberühmte mantuanische
Onyxgefäß, jetzt eine Zierde des Braunschweig. Museums.

* 1613. Mori satius est quam vitae ferre pudorem.
(Lieber sterben, als ein schimpfliches Leben ertragen.)

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Viva la guerra e l’amor.
(Es lebe der Krieg und die Liebe)
auf einer Medaille.


FRANZ ERDMANN,
regierender Herzog von 1665-1666,
Sohn des Herzogs Julius Heinrich, geb. 25. Februar 1629,
31. Juli 1666.

Tout avec le temps.
(Alles mit der Zeit.)

 

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JULIUS FRANZ,
regierender Herzog von 1666-1689,
Sohn des Herzogs Julius Heinrich, geb. 16. September 1640,
29. September 1689.
der letzte Herzog askanischen Stammes.

Fructus virore virere perennet.
(Möge sich die Frucht durch ihr Grün frisch erhalten.)
auf Münzen aus dem Jahre 1670.
Sey wachtsamb, brauch Verstand,
thue Recht, scheue Niemand.

auf einer Medaille von 1674.


Der zweite Vers allein erscheint auf verschiedenen Münzen.
 


Omne Solum forti patria.
(Jeder Boden ist dem Tapferen Vaterland.)
auf verschiedenen Münzen.

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