Informationen zu Leben und Werk:

 
Ernst Barlach
1870 Wedel bei Hamburg - 1938 in Rostock, beigesetzt in Ratzeburg


 

Der Bildhauer, Grafiker und Dichter Ernst Barlach wird am 2. Januar 1870 in Wedel bei Hamburg als ältester Sohn des Landarztes Georg Barlach in Wedel geboren. Er verlebt sechs ruhige Jahre in Ratzeburg, doch nachdem sein Vater 1884 unerwartet fünfundvierzigjährig stirbt, zieht die Witwe nach Schönberg in Mecklenburg, die Kindheit endet abrupt.

1888-1891 studiert Barlach an der Kunstgewerbeschule in Hamburg, danach 1891-1895 an der Kunstakademie in Dresden. Es folgen Studienreisen nach Paris und erste Arbeiten im 'Jugendstil', er ist auf der Suche nach seinem Personalstil. 1898-1902 fertigt er Zeichnungen für die Zeitschrift "Jugend" und bemüht sich, in einem Atelier in Wedel mit keramischen Arbeiten seinen Unterhalt zu bestreiten. Durch die Vermittlung von Peter Behrens wird Ernst Barlach Lehrer an der Keramikschule in Höhr (Westerwald), doch er fühlt rasch, daß er als Pädagoge nicht seine wirklichen Fähigkeiten ausleben kann.

Die schwere Lebenskrise, die durch finanzielle Engpässe und das Gefühl, die gefühlte Ausdrucksqualität nicht adäquat umsetzen zu können, geprägt ist, wird beendet durch einen Ortswechsel. 1906 macht Barlach mit seinem Bruder Nikolaus eine mehrwöchige Reise durch die Ukraine, deren vielfältigen Eindrücke nachhaltig auf sein Werk einwirken. Er kehrt zurück mit über 400 Zeichnungen, überwiegend Entwürfe für plastische Form.

1907/08 entstehen Zeichnungen für die satirische Zeitschrift "Simplicissimus". Barlach zieht nach Berlin. Um jene Zeit fängt er auch an, als Schriftsteller zu arbeiten. Der Kunsthändler Paul Cassirer, der ihm einen Langzeitvertrag anbietet, veröffentlicht Barlachs Dramen, die der Künstler zum Teil selbst illustriert, sodass er bald auch als Schriftsteller und Grafiker breite Anerkennung erlangt. 1909 erhält Ernst Barlach ein Stipendium für die Villa Romana in Florenz. Nach seiner Rückkehr wohnt Barlach weiter bis 1910 in Berlin, danach ist er bis zu seinem Tod in Güstrow in Mecklenburg tätig.

1915/16 dient Barlach als Soldat im Ersten Weltkrieg, wandelt sich vom Kriegsbefürworter zum überzeugten Kriegsgegner, verarbeitet seine Eindrücke vom Krieg in Einzelfiguren, aber auch in Form von Mahnmalen, die bald an öffentlichen Plätzen und in Kirchen vor einem neuen Krieg warnen.

1919 wird Ernst Barlach Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 1924 erhält er für seine Dramen den Kleist-Preis. 1925 wird er Ehrenmitglied der Akademie der Künste in München. Im Dritten Reich nehmen seine Schaffensmöglichkeiten rasch ab: 1937 erhält Barlach Ausstellungsverbot, Mahnmale werden entfernt. In der Wander-Ausstellung "Entartete Kunst" wird Barlachs Figurengruppe "Christus und Thomas" gezeigt.

Am 24. Oktober 1938 stirbt Ernst Barlach in Rostock, er wird auf dem Friedhof Seedorfer Straße in Ratzeburg beerdigt (auf dem Grab der Klinkerbrand "Singender Klosterschüler").
 


* * *
 

Das Kreismuseum Herzogtum zeigt im Raum "Künstler im Kreis des 20. Jahrhunderts" in einer Standvitrine einige Originalwerke Ernst Barlachs, versteht sich aber grundsätzlich als empfehlender Hinweisgeber auf die Ernst Barlach Gesellschaft sowie die fünf bestehenden Personalmuseen in Güstrow (2), Hamburg, Ratzeburg und Wedel/Holstein, deren Internetauftritte über die nachfolgenden Links erreichbar sind.

Die Gertrudenkapelle in Güstrow sowie Barlachs ehemaliges Atelier am Heidberg werden betreut von der Ernst Barlach Stiftung, die Personalmuseen in Ratzeburg und Wedel von der Ernst Barlach Gesellschaft. Dem gleichen Ziel, das vielschichtige Werk dieses bedeutenden Künstlers lebendig zu erhalten, widmet sich das Ernst Barlach Haus Hamburg, Stiftung Hermann F. Reemtsma im Jenischpark.